Knapp zwölf Prozent der Erstklässler im Schwalm-Eder-Kreis zu dick

Auf gesunde Ernährung achten: Zu viel fettige Chips und zu wenig Bewegung machen nicht nur Erstklässler dick. Foto: DAK/Wigger/dpa/gms

Schwalm-Eder. Ein sechsjähriger Erstklässler ist im Schwalm-Eder-Kreis 1,18 Meter groß und wiegt 22 Kilogramm. Diese Durchschnittswerte ergab die Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamtes. Für ein Kind dieses Alters seien das normale Werte.

Schulärztin Dr. Ulrike Torunsky-Canaviri warnt aber davor, diese Angaben als Richtlinie zu nehmen. „Man muss das richtige Gewicht immer im Verhältnis zur Körpergröße sehen“, erklärt die Schulärztin. Wer größer sei, dürfe auch mehr wiegen.

Dennoch: Nach diesen Maßstäben sind knapp zwölf Prozent aller Schulanfänger im Landkreis zu dick. Sie sollten abnehmen, um dauerhafte Erkrankungen zu vermeiden, rät die Schulärztin. Auch die psychische Gesundheit sei gefährdet, denn dicke Kinder würden oft in der Schule gehänselt, weil sie durch ihr Gewicht besonders auffielen.

Individuelles Gewicht

Für Übergewicht gebe es drei Ursachen, sagt Torunsky-Canaviri, nämlich ein unausgeglichenes Verhältnis von Essen und Bewegung und vor allem der persönliche Stoffwechsel. „Gute und schlechte Futterverwerter gibt es tatsächlich“, stellt die Ärztin klar. Jeder Mensch wandele Nahrung unterschiedlich gut in Energie um. „Bei manchen reicht daher mehr Bewegung nicht aus, um abzunehmen“, sagt Torunsky-Canaviri.

Besonders wichtig: die Ernährung. Und die sei oft zu viel, zu fett und zu süß. „Wer zuviel Zucker isst, sorgt dafür, dass der Körper sehr viel Insulin produziert. Das ist ein Masthormon“, erläutert die Schulärztin. Beim Masthormon sei der Name Programm: Es sorge für zusätzliche Fettpolster. Daher würden Süßigkeiten schnell dick machen, selbst wenn sie wenig Kalorien enthielten.

Wenn ein Kind gesund abnehmen soll, müsse daher vor allem analysiert werden, welche Dickmacher das Kind täglich verputzt, sagt Torunsky-Canaviri. Außerdem müsse der persönliche Energiebedarf ermittelt werden. Der eigene Haus- oder Kinderarzt sollte das Abnehmen begleiten.

Die Schulärztin rät Eltern übergewichtiger Kinder, den Anteil von Fetten und Zucker am Essen zu verringern und statt dessen auf stärke- und faserreiche Nahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln sowie Obst und Gemüse zu setzen. Notfalls müsse die Familie mit schlechten Essgewohnheiten brechen und auf Fertiggerichte, fettige Knabbereien und gesüßte Getränke verzichten.

„Die Familie ist das größte Vorbild, denn dort werden Gewohnheiten angelegt“, mahnt Torunsky-Canaviri. Essen aus Frust oder psychischen Problemen trete eher bei älteren Kindern und Jugendlichen auf.

Außerdem sollten Eltern die Bewegungsfreude ihrer Kinder stärken. Die Schulärztin hat gute Nachrichten: Übergewichtige Kinder seien genauso beweglich wie normalgewichtige Altersgenossen. „Da waren unsere Tests eindeutig“, berichtet Torunsky-Canaviri.

Weitere Informationen: Gesundheitsamt Schwalm-Eder, Tel. 05681/775 654.

Von Friederike Szamborzki

Quelle: HNA

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