Prozessauftakt am Amtsgericht

Viel Geld und sechs Kilo Gold: Angeklagter schweigt zu Diebstahl in Fritzlar

Fritzlar. Am Amtsgericht Fritzlar ging es heute in die erste Runde im Diebstahlsfall um Wertsachen in einer Gesamthöhe von 930 000 Euro.

Dabei stellte sich vor allem eine Frage: Wer gab dem Angeklagten den entscheidenden Hinweis? Bargeld in Höhe von 430 000 Euro sowie Goldbarren und Krügerrand-Goldmünzen im Wert von weiteren 500 000 Euro sind im Februar 2012 aus einem Tresor in einem Wohnhaus im Kreisteil Fritzlar-Homberg gestohlen worden. Deshalb und wegen eines weiteren Diebstahls im Dezember 2011 in Kassel muss sich seit gestern ein 37-jähriger Mann aus Bosnien-Herzegowina vor dem Amtsgericht Fritzlar verantworten (wir berichteten).

Am Hauptverhandlungstag, bei dem neun Zeugen aussagten, drehte sich vieles darum, wie es am Tatort aussah, wer von dem Tresor wusste, wie viel Gold tatsächlich darin gelagert war (fünf oder sechs Kilo?) und was bei früheren Zeugenvernehmungen gesagt worden war. Die wichtigste Frage jedoch konnte bisher noch nicht geklärt werden: Wer gab dem Angeklagten den Hinweis, dass in dem Haus etwas zu holen ist?

Doch von vorne: Der 64-jährige Geschädigte hatte die 430 000 Euro zunächst auf einem Konto in Luxemburg gelagert. Das Gold wiederum befand sich in einem Schließfach seiner Bank in Deutschland. Beides zusammen war als Altersvorsorge gedacht. Eine Versicherung hatte er für seine Rücklagen nicht abgeschlossen.

Eheliche Differenzen

Im Jahr 2008 entschloss sich der Geschädigte, Geld und Gold in einem Tresor im Keller des Hauses seiner Schwester zu lagern. Auf Nachfrage von Richterin Corinna Eichler, warum er es nicht bei sich zu Hause aufbewahrt habe, nannte er eheliche Differenzen. Im September 2011 verstarb seine Schwester jedoch unerwartet. Das Haus stand nun leer. Das Geld blieb trotzdem dort. Um die Auflösung des Hausrats und die Neuvermietung kümmerten sich Neffe (39) und Nichte (33) des Geschädigten. Diese und die 40-jährige Frau des Neffen waren offiziell die einzigen, die von dem Tresor und seinem Inhalt wussten.

Auf die Frage von Staatsanwältin Angela Kleine-Kraneburg, warum das Geld nach dem Tod der Schwester des Geschädigten nicht aus dem Tresor genommen wurde, wusste keiner der Zeugen eine Antwort. Der plötzliche Tod der Mutter, ein neuer Job, ein gerade geborenes Baby hätten sie überfordert, gestehen Neffe und Nichte. Und der Geschädigte selbst? Er habe nicht geglaubt, dass etwas passiert.

Ob sich beim Verkauf des Hausrats oder bei den Hausbesichtigungen jemand Zugang zum Keller verschaffen oder Informationen zu Tresor und Inhalt sammeln konnte, ist noch unklar. Auch wer dem Angeklagten den entscheidenden Tipp gegeben hat, konnte bisher nicht geklärt werden.

Still und stoisch

Apropos Angeklagter: Der saß in einen grauen Adidas-Jogginganzug mit neongrünen Streifen gehüllt da und registrierte still, stoisch und mit zusammengepressten Lippen die Worte seiner Dolmetscherin. Sein Blick unter dem kurzgeschorenen schwarzen Haar wanderte immer wieder zwischen der Tischplatte vor ihm und den Personen im Zeugenstand hin und her. Er sagte während der Verhandlung kein Wort. Und das wird in Absprache mit seinem Verteidiger Markus Sittig auch bis zum Ende des Prozesses so bleiben.

Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag, 8. November, ab 9 Uhr fortgesetzt.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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