Willi Wiegand ist Jagdhornbläser mit Leidenschaft und musiziert seit fünf Jahrzehnten im Kreisjagdverein

Viel Luft auch noch mit 90 Jahren

Lieben Jagd und Jagdhorn: Elfriede „Friedchen“ und Willi Wiegand musizieren seit 48 Jahren im Bläsercorps des Wolfhager Kreisjagdvereins. Trotz seiner 90 Jahre ist Willi Wiegand auch heute noch ein passionierter Jäger. Foto: Michl

Wolfhagen. Im Notenbüchlein des Deutschen Jagdverbandes sind die wichtigsten 45 allgemeinen, Jagdleit- und Totsignale aufgeführt. Das Büchlein bewahrt der 90-jährige Wolfhager Willi Wiegand in der Instrumententasche seines Fürst-Plesshorns auf. „Eigentlich nur so aus Gewohnheit“, so der passionierte Jäger und Bläser. „Ich beherrsche doch alle Jagdhornsignale aus dem Effeff.“ Kein Wunder, denn Willi Wiegand übt seine Hobbys Jagd und Jagdhornblasen schon fast ein halbes Jahrhundert aus.

1963 überredete ihn seine Ehefrau Elfriede, allgemein nur Friedchen genannt, nicht nur dazu, den Jagdschein zu machen, sondern weckte in ihm auch die Lust und Freude zum Jagdhornblasen. Wiegand: „Das Kennen aller Jagdhornsignale und deren Bedeutung war damals ein fester Bestandteil der Jägerprüfung und gehörten für mich zur Jagd wie das Salz in der Suppe.“ Heute werden beim „grünen Abitur“ nur noch drei Signale abgefragt, bedauert Wiegand.

An den Anfang erinnern sich Willi und Friedchen, die das große Parforcehorn bläst, noch mit Schrecken. „Neben den Übungsstunden im Bläsercorps beim Kreisjagdverein haben wir gemeinsam noch bei einem Musiker aus Martinhagen Zusatzstunden genommen. Manche Nacht saßen wir im Ehebett und haben versucht, durch die Veränderung unserer Lippenspannung dem Instrument die B-Naturtonreihe zu entlocken.“ War das geschafft, kam gleich die nächste Herausforderung – die Tonreihe zu einem Stück zu formen, für das Zusammenspiel mit anderen Bläsern.

Noch heute auf die Pirsch

Heute können die beiden darüber nur müde lächeln, sind seit 48 Jahren ein fester Bestandteil des Bläsercorps. Abgesehen vom Urlaub während Willi Wiegands beruflicher Tätigkeit als Tiefbauingenieur fehlte das Paar bei keiner Probe und keinem Auftritt des weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannten Bläsercorps. Viele gewonnene Silbermedaillen dokumentieren ihr musikalisches Können und ihre jagdliche Passion.

Willi Wiegand, der vor wenigen Jahren zum 16. Mal das Goldene Sportabzeichen machte, zudem mit seinem Friedchen, mit dem er vor kurzen Diamantene Hochzeit feierte und bis 2009 alljährlich in den Schweizer Bergen noch Ski fuhr, sitzt auch heute noch trotz seines hohen Alters auf dem Hochsitz an, geht auf die Jagd. „Aber nur noch in heimischer Feld und Flur auf Reh, Bock und Wildsau. Früher habe ich über 25 Jahre lang zu dem in Skandinavien Elche, in der Slowakei Hirsch und Mufflon sowie in Südtirol Gemsen geschossen.“

Geht Willi Wiegand auf die Jagd, ist neben Flinte oder Büchse auch immer sein Fürst-Plesshorn am Mann, um vielleicht nicht nur ein überlebensnotwendiges Signal zu blasen, sondern nach altem Jägerbrauch musikalisch zu eröffnen und zu beenden, beziehungsweise dem erlegten Wild den letzten Gruß zu entbieten.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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