Garten- und Landschaftsbauer Klatt aus Wettesingen muss schließen, weil er keine Arbeitskräfte findet

Viele Aufträge und kein Personal

Geschäftsaufgabe trotz voller Auftragsbücher: Andreas und Manuela Klatt würden das Unternehmen gerne weiterführen. Foto:  Deppe

Wettesingen. Die Auftragsbücher waren voll, der Umsatz stimmte über Jahre. Trotzdem musste Andreas Klatt sein Wettesinger Garten- und Landschaftsbauunternehmen in dieser Woche schließen. Ihm fehlt das Personal.

2011 hatte Klatt noch drei Angestellte, die Geschäfte liefen gut. Doch Anfang dieses Jahres gab es erste Probleme. Die Angestellten wechselten in andere Berufe oder zogen aus privaten Gründen aus der Region. Mit Hilfe der Agentur für Arbeit suchte Geschäftsführer Klatt nach Arbeitskräften – vergeblich. Mehrere Bewerber kamen nicht zu Vorstellungsterminen, die Ausreden teilweise absurd. „Einer kam nicht zum vereinbarten Termin. Als wir ihn anriefen, sagte er, er habe Geburtstag und schon Gäste da, deswegen sei er nicht gekommen.“ Andere Bewerber sprachen nur Englisch oder hatten horrende Gehaltsvorstellungen.

Silke Sennhenn von der Arbeitsagentur in Kassel kennt die Probleme. Gerade bei handwerkliche Berufen sei es momentan schwierig, geeignete Arbeitskräfte zu finden. Ein Grund dafür sei, dass viele Unternehmen in der Krise nicht ausbilden.

Auch andere Gartenbauunternehmen wie die Firma Krug und Sohn aus Dörnberg haben Probleme Leute zu finden. Sie klagen ebenfalls über die Unzuverlässigkeit der Bewerber. Doch ist die Lage dort mit drei Festangestellten nicht existenzbedrohend.

Anfang Juni stellte Klatt dann zwei Arbeitskräfte ein. Einer von beiden erwies sich schnell als unzuverlässig, kam mehrfach zu spät oder gar nicht. „In der Arbeitsagentur hieß es: ‘Den müssen sie sich erziehen’. Aber die Zeit habe ich einfach nicht.“ Die zweite Hilfskraft schien die erhoffte Verstärkung zu sein, bis sie krankheitsbedingt ausfiel. „Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es da keinen gibt. Er müsste ja nicht einmal ausgelernt sein“, sagt Klatt.

Nach einem weiteren Rückschlag – die Bank verwehrte einen schon lange beantragten Dispokredit – entschied sich Klatt aufzugeben. Trotz ausstehender Aufträge über 25 000 Euro.

„Eine Kundin hat am Telefon mitgeheult, als meine Frau den Auftrag storniert hat. Ein anderer hat sogar angeboten, sich Urlaub zu nehmen, um helfen zu können.“ Mitgeholfen hätte am liebsten auch Klatts fünfjähriger Sohn Matthis, der mit seiner eigenen kleinen Werkzeugkiste regelmäßig darum bettelt, seinen Vater zur Arbeit begleiten zu dürfen.

Andreas Klatt selbst will sich schnell einen neuen Job suchen. „Gerne als Hausmeister oder irgendwo im Lager, Hauptsache aber: eine ganzjährige Beschäftigung“. Ein Zurück gibt es nicht: Die ersten Maschinen seines ehemaligen Betriebes hat er bereits verkauft.  Kommentar

Von Lasse Deppe und Max Holscher

Quelle: HNA

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