THS-Schüler spielten ihre eigene Rapunzel-Fassung vor historischer Kulisse

So viel Liebreiz: Der Prinz (Robin Schüßler) inmitten vieler Rapunzel-Abbilder. Die Freiluft-Aufführung ihres Stücks gehörte für die THS-Schüler zum Unterrichtsfach Darstellendes Spiel. Foto: zse

Homberg. Murmelnde, kichernde und lockende Rapunzeln, eine schwangere Frau mit Heißhunger auf das grüne Kraut und ein allzu nachgiebiger Ehemann, dazu eine raffinierte Zauberin, ein einsames Mädchen im Turm, ein glückloser Prinz und eine pfiffige Erzählerin:

Das waren die Zutaten, mit denen die Schüler des Oberstufenkurses „Darstellendes Spiel“ der Theodor-Heuss-Schule (THS) in Homberg ihr Theaterpublikum begeisterten.

Angelehnt an das Grimmsche Vorbild und doch in einer Fassung mit vielen eigenen Ideen, präsentierten sie das Märchen „Rapunzel“ an einem außergewöhnlichen Spielort. Der geschichtsträchtige Dörnbergtempel, ehemaliger Wehrturm in der südwestlichen Homberger Stadtmauer, gab eine romantisch-authentische Kulisse ab.

Die Inszenierung unter Leitung von Fachlehrerin Silvia Kordes hob diverse Facetten der Geschichte wie auch der Figuren hervor. Erzählende Elemente und Dialoge gehörten ebenso wie Tanz und Gesang dazu.

Starke Sinnbilder

Besondere Wirkung erzielten die Akteure immer dann, wenn starke Sinnbilder die Worte ersetzten. Dazu gehörten die zauberhaft quirlig dargestellten Rapunzelpflanzen, die tänzerisch symbolisierte Haarpracht der Protagonistin und besonders die verschiedenen Phasen des Zusammentreffens von Rapunzel und ihrem Prinzen. Auf der Stadtmauer geriet diese Szene gegen die untergehende Sonne zu einem reizvollen Schattenspiel.

Ebenso bildlich vermittelten die durcheinander laufenden und redenden Darsteller die Verwirrung des erblindeten Prinzen und integrierten in fantasievollen Traumbildern weitere Märchenfiguren in die Rapunzel-Szenerie: Rotkäppchen, Dornröschen und Schneewittchen suchten ihre eigenen Helden - und fanden doch nur den Rapunzelschen Prinz. Einst als Hoffnungsträger angetreten, blieb er letztendlich als resignierender Anti-Held allein zurück.

In einer selbstbewussten Ansprache verdeutlichte ihm eine gereifte Rapunzel, dass sie weitere Abhängigkeiten ablehne und daher ihr künftiges Leben ohne ihn plane. So endete die Geschichte mit der für viele Besucher überraschenden Einsicht: Ein gelungenes Theaterstück funktioniert auch ohne viele Worte.

Von Sigrid Ehl-von Unwerth

Quelle: HNA

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