Dürre Äste: Buchen kämpfen mit veränderten Umweltbedingungen

Lichte Buchenkronen: Je mehr Zweige und feine Äste eine Buche an der Spitze hat, desto gesünder ist sie. Der starke Baum links oben und auch der unten rechts machen einen guten Eindruck, dagegen ist der Baum unten links in der Krone kahl und geschwächt.

Oelshausen. Die Buchen in den Wäldern des Wolfhager Landes hängen voll mit Früchten, so voll wie in den letzten Jahren nicht mehr. Das stellt die Bäume an manchen Standorten vor Probleme.

Zwar breitet sich die Buche laut aktuellem Waldzustandsbericht in Hessen, insbesondere im Habichtswald und im Altkreis Wolfhagen, immer stärker aus. Doch der Anteil der Bäume mit zweiglosen, dürren Ästen nimmt zu - die Kronen werden lichter.

In einem Waldstück zwischen Hundsberg und Wattenberg bei Oelshausen werden die Schäden deutlich. Neben durchaus gesunden Buchen mit fein ziselierten Kronen ragen immer wieder unansehnliche Bäume in den grauen Dezemberhimmel. An ihnen fehlt das Feinreisig. „Die Bäume sind im Stress“, sagt Revierförster Uwe Huber.

Geflecht aus Faktoren 

Das Problem der Buchen, die sich bei konstanten Bedingungen am besten entwickeln, resultiert aus einem Geflecht von Faktoren. Das Klima habe sich in den vergangenen Jahrzehnten merklich erwärmt. Auch der Stickstoffeintrag in der Luft habe deutlich zugenommen. „Was der Bauer früher an Stickstoff als Dünger aufs Feld geworfen hat, holen sich die Bäume heute aus der Luft“, sagt Huber. Die veränderten Umweltbedingungen nehmen Einfluss auf die Fruchtbildung der Pflanzen: Noch in den 1950er Jahren setzten die Buchen alle fünf Jahre Früchte an. Heute gibt es alle zwei bis drei Jahre eine starke Buchenmast. „Und jedes Mal, wenn die Buchen, Früchte tragen, werden sie geschwächt“, sagt Huber.

Tod lässt sich nicht aufhalten 

Den etwa 100 Jahre alten Buchen in Hubers Revier ist der Stress anzusehen. An einigen ist die Borke bereits abgeplatzt. Ihr Tod lässt sich nicht mehr aufhalten. Erschwerend hinzu kommt für die Buchen an diesem wechselfeuchten Standort, dass sie auf Ton stehen. Bei Regen ersaufen die Wurzeln im Wasser, bei Trockenheit erreichen sie keine Wasserreserven. Denn der Boden kann Feuchtigkeit nicht speichern. Buchen auf Buntsandsteinböden haben es bei einer schwankenden Wasserversorgung leichter.

„Um einige Bestände mache ich mir ernsthaft Sorgen“, sagt Huber. Letztlich könne er die Vitalität seiner Buchen nur über die Lichtsteuerung beeinflussen - heißt: Er kann beim Fällen der Bäume Augenmaß walten lassen, wenngleich er als Förster nicht völlig auf die Holzernte verzichten könne.

Auf der Fläche, auf der sich die Zahl der Buchen mit lichten Kronen häuft, wird es in den kommenden Jahren nur sehr vorsichtige und dosierte Baum-entnahmen geben. Huber hofft, dass sich dadurch die nachwachsenden Bäume kräftigen und stark verästelte Kronen ausbilden werden.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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