Zahl der Krankschreibungen nimmt zu – Psychologen fehlen

Viele Fehltage durch psychische Krankheiten

Schwalm-Eder. Jeder fünfte Erwerbstätige, auch im Schwalm-Eder-Kreis, ist mindestens einmal im Jahr mit einer psychische Erkrankung arbeitsunfähig. Diese Statistik hat die Techniker Krankenkasse ausgerechnet.

36 Prozent der Frühverrentungen sind laut der gesetzlichen Krankenkasse mittlerweile psychisch bedingt. In den Kliniken habe die Behandlung seelischer Probleme - gemessen an der Therapiedauer - den Herzpatienten bereits von Platz eins verdrängt.

„Statistiken sind wie Bikinis, sie zeigen viel und verbergen Wesentliches“, schränkt Dr. Manfred Schäfer ein.

Man könne nur verwerten, was diagnostiziert wurde, so der Ärztliche Direktor der Hardtwaldklinik in Bad Zwesten, einer Fachklinik für Psychotherapie und Psychosomatik. Die Diagnosen seien in den vergangenen Jahrzehnten anders und seltener gestellt worden. Es sei aber richtig, dass immer mehr Patienten gesundheitliche Störungen wegen einer Überlastung am Arbeitsplatz bekämen.

Stressbedingte Störungen

„Die Arbeit verdichtet sich, und dabei soll die Qualität ständig besser werden, natürlich mit weniger Personal“, sagt Schäfer und kritisiert: „Das ist in den allermeisten Fällen schlicht unmöglich.“ Depressive Erschöpfungszustände, Burn-Out, Schlafstörungen, stressbedingte Störungen und Bluthochdruck seien nur einige Folgen.

Bei den AOK-Versicherten in Hessen betrug der Anteil der Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen im Jahr 2011 9,2 Prozent - Tendenz steigend.

Auffällig ist, dass die Krankheitsdauer wegen psychischer Erkrankungen höher ist. Die Fehltage sind doppelt so hoch wie der Anteil an den Fällen (4,7 zu 9,2 Prozent).

Gerade unbehandelte psychische Erkrankungen würden mittelfristig einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen, erklärt der Ärztliche Direktor der Hardtwaldklinik.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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