Viele fürchten Kahlschlag

Protest gegen Sparpläne bei der Förderung von Langzeitarbeitslosen

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Sorgt für Eingliederung junger Leute in den Beruf: Auch die Jugendwerkstatt Felsberg ist von den Kürzungsplänen betroffen.

Schwalm-Eder. Der Bund will die Unterstützung für Langzeitarbeitslose, die wieder in den Beruf integriert werden sollen, drastisch kürzen. Im Schwalm-Eder-Kreis wären von dem Sparprogramm allein im nächsten Jahr 450 junge Menschen betroffen.

Sie würden beim Start in den Beruf oder die Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung nicht mehr gefördert.

Dagegen protestieren die Träger der Jugendhilfe im Landkreis mit einer Resolution, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Unterstützt werden sie von Sprechern der Fraktionen im Kreistag sowie von Landrat Frank-Martin Neupärtl.

„Das sind keine normalen Anpassungen mehr.“

Betroffenen sind überwiegend Programme zur Vermittlung von Hartz-IV-Empfängern, die über die Arge Schwalm-Eder gefördert werden. 59 Prozent weniger Geld werde dafür in den nächsten drei Jahren vom Bund zur Verfügung gestellt. 2010 gab es 9,4 Millionen Euro, 2011 werden es 6,2 Millionen sein und 2013 noch 3,7 Millionen Euro.

„Das sind keine normalen Anpassungen mehr, sondern gravierende Einschnitte“, sagte Hans-Gerhard Gatzweiler, Chef der Arge Schwalm-Eder. „Die Angebote der Bildungsträger werden schon im nächsten Jahr drastisch reduziert, und das geht noch weiter“, fügte Landrat Frank-Martin Neupärtl bei einer Pressekonferenz hinzu.

Betroffen seien vor allem benachteiligte Jugendliche. Gestrichen würden überbetriebliche Ausbildungen sowie Trainingsangebote für den Berufseinstieg sowie ein großer Teil der Ein-Euro-Jobs. Weiterer Effekt: 52 Arbeitsplätze bei den Bildungsträgern würden wegfallen. Das könne für einige Träger langfristig das Aus bedeuten.

Bei der Arge selbst werden bis Juli 2011 27,5 Stellen abgebaut, erklärte Gatzweiler. Im Moment seien an den vier Standorten 160 Menschen beschäftigt.

Grund für den Leistungsabbau sei die sinkende Zahl der Arbeitslosen, auch der Hartz-IV-Bezieher. Im Landkreis bekamen 2005 10.000 Menschen Arbeitslosengeld II, im Moment leben 6000 Menschen davon. Gatzweiler: „Wir haben eine überdurchschnittliche Vermittlungsquote und werden dafür mit weniger Zuweisungen belohnt.“

Besonders drastisch sind die Auswirkungen für den Verein Starthilfe in Homberg-Mörshausen. Geschäftsführer Hermann Häusling: „44 von 80 Plätzen fallen bis zum nächsten Jahr weg.“

„Wir müssen ganze Werkstätten schließen, weil wir keine Ausbildungen mehr leisten können“, sagte Elke Junger, Geschäftsführerin des Starthilfe Ausbildungsverbundes.

Betroffen sei auch das Handwerk, sagte Angelika Horstkotte-Pausch von der Jugendwerkstatt Felsberg. In vielen Berufen sei eine Ausbildung ohne die Betreuung durch die Jugendhilfe nicht mehr möglich, meinte sie.

Harald Recke, Leiter des Beiserhauses, warnte vor zunehmender Gewalt: „Es gibt eindeutige Untersuchungen, dass gerade bei den benachteiligten Jugendlichen, die eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, die Gewaltbereitschaft sinkt“, sagte er.

Die Resolution soll möglichst auch vom Kreistag unterstützt werden, der am Montag in Borken tagt.

Quelle: HNA

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