Viele Häuser in Zierenberg stehen leer: Letzter Ausweg Abriss?

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Wie geht es mit dem Fachwerkhaus in der Langen Straße in Zierenberg weiter? Der Bürgervein „Wohnen in der Altstadt“ mit der Vorsitzenden Gabi Dörner-Knöppel hofft auf einen Interessenten.

Zierenberg. Neben dem Eingang blühen rote Rosen. Die rustikale Holztür ist angelehnt. So, als würde jemand nur schnell den Müll rausbringen. Doch in das Fachwerkhaus in der Zierenberger Gerichtsgasse geht niemand mehr ein und aus.

Der letzte Bewohner ist vor Monaten verstorben. Das Haus steht leer. Kein Einzelfall in der Altstadt von Zierenberg. „Die alten Leute versterben, die Kinder wohnen nicht mehr hier und haben kein Interesse an den Häusern“, sagt Gabi Dörner-Knöppel. Die 48-Jährige gründete vergangenes Jahr mit sechs Mitstreitern den Bürgerverein „Wohnen in der Altstadt“. Inzwischen sind es 41. Ihr Ziel: Den Leerstand im Stadtkern verringern.

Der Verein berät Haus- und Grundstückseigentümer, erstellt Gutachten, schlägt Nutzungen vor und stellt die Angebote auf seiner Internetseite vor. Nur angenommen wird die Hilfestellung bislang kaum. 13 leer stehende Gebäude in der Altstadt ermittelte der Verein im vergangenen Jahr. Der Verein schrieb die Eigentümer an, lud zum Runden Tisch. Nur fünf Parteien waren der Einladung gefolgt. „Ich verstehe die Eigentümer nicht. Sie haben doch nichts zu verlieren. Im Gegenteil“, sagt Vereinsvorsitzende Dörner-Knöppel.

Doch die engagierten Zierenberger hakten nach, schrieben die Eigentümer erneut an. „Wir arbeiten fleißig weiter“, sagt Dörner-Knöppel und weiß: „Es ist ein großes Projekt, man muss einen langen Atem haben und mit den Leuten reden.“

Es gehe darum, das Wohnen in der Altstadt attraktiver zu machen. Gerade junge Leute will der Bürgerverein in die Stadt holen. Aber ist ein Fachwerkhaus für jeden etwas? „Man muss es mögen“, sagt Dörner-Knöppel. Sie mag es. Vor 14 Jahren zog sie selbst in ein Fachwerkhaus in der Altstadt. „Diese Häuser haben eine besondere Atmosphäre“, beschreibt die 48-Jährige. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie zum zweiten Mal in einem Fachwerkhaus, nur wenige Meter weiter. Aber auch andere Nutzungen sind möglich. „Es geht darum, dass die Häuser genutzt werden und nicht weiter verfallen“, erklärt Dröner-Knöppel. Und sie geht weiter. „Bei einigen Häusern ergibt eine Sanierung keinen Sinn.“ Letzter Ausweg Abriss. Von der Freifläche würden dann die umliegenden Häuser profitieren.

Für das Haus in der Langen Straße ist das keine Option. Derzeit erstellt der Verein für sein jüngstes Projekt ein Gutachten. „Natürlich muss man renovieren. Aber man kann eine Menge rauas machen“, schwärmt Dörner-Knöppel.

Sie macht weiter. Aus Überzeugung. Es gebe schließlich gute Gründe für das Wohnen in der Altstadt.

Quelle: HNA

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