Haftpflichtprämie steigt deutlich, generell schlechte Bezahlung

Viele Hebammen fürchten um Existenz

Wolfhager Land. Der Deutsche Hebammenverband schlägt Alarm: Bereits ab Juli steigt die Haftpflichtprämie für freiberuflich erbrachte Geburtshilfe innerhalb von zwei Jahren von 3689 auf 4242 Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 15 Prozent bei nahezu gleichbleibendem Einkommen. Auch dadurch drohe ein Hebammensterben auf Raten beklagt der Verband.

Die stellvertretende Landesvorsitzende des Hebammenverbandes, Andrea Strube (Zierenberg), sagt: „Aufgrund der Steigerung der Haftpflichtprämie wird es zunehmend schwieriger, zu überleben.“ Die Belastung für freiberufliche Hebammen sei ohnehin schon sehr groß, sagt Strube. Sie arbeite etwa 80 Stunden die Woche, um „einigermaßen ordentlich“ zu verdienen. Mit Lebensqualität habe das allerdings wenig zu tun.

Strube sagt weiter: „In den letzten Jahren haben insgesamt zehn Kreißsäle in Hessen ihre Türen geschlossen, zwei weitere werden noch folgen. Auch einige Hebammenpraxen und Geburtshäuser haben den Betrieb eingestellt und viele Einzel-Hebammen haben wegen zu hoher Kosten und zu geringer Einnahme die Geburtshilfe, das Herzstück unserer Arbeit, aufgegeben.“

Weiter würden sich immer mehr Hebammen berufliche Alternativen oder Zweit-Jobs in anderen Arbeitsbereichen suchen. Als Gründe für den stark gestiegenen Satz der Haftpflichtprämie sieht der Hebammenverband in der langen Haftungszeit von 30 Jahren bei geburtshilflichen Schäden. Außerdem würden laut Verband die Krankenkassen durch eine hohe Anzahl von Regressforderungen ihren Haushalt verbessern.

Das Bundesgesundheitsministerium hat gestern eine Studie zur Thematik veröffentlicht. Darin heißt es, dass trotz sinkender Geburtenzahlen die Arbeitszeiten angestiegen sind. Auch der Anstieg der Haftpflichtprämie stelle eine erhebliche finanzielle Belastung dar.   zum Tage, hintergrund, Seite 9

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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