Viele Lebensmittel landen in der Tonne: Aktion gegen Verschwendung

Würden eigentlich auf dem Müll landen: Kartoffeln, Kürbis, Zucchini und Gurken, die einfach nur zu groß oder zu klein sind, landen erst gar nicht im Handel. Das ärgert Dietmar Groß vom Biohof in Mühlhausen, er bietet diese Waren reduziert an. Ann-Lena Kalbitz und Mona Kleinsteuber packen im Hintergrund Kartoffeln ab. Foto: Yüce

Homberg. 82 Kilo Lebensmitel wirft jeder von uns pro Jahr in den Müll - zumindest rein rechnerisch. Zusammen ergibt das 15 Millionen Tonnen weggeworfene Nahrungsmittel allein in Deutschland. Und: zwei Drittel davon wären vermeidbar, so eine Studie der Universität Stuttgart.

„Das ist eine wahnsinnige Verschwendung“, sagt Dr. Hanns Kniepkamp aus Spangenberg-Schnellrode. Der 67-Jährige war im Vorstand von Slow Food Deutschland. Dem Verein geht es es um einen bewussteren Umgang mit Lebensmittel. Auf den Verschwendungswahn will Slow Food mit einer Erntetour-Aktion am Freitag und am Samstag unter dem Motto „Zu gut für die Tonne“ aufmerksam machen.

„Produkte, die nicht makellos aussehen oder der Norm in Größe und Gewicht nicht entsprechen, werden vom Handel geschmäht und kommen erst gar nicht zum Käufer. Sie werden gleich beim Landwirt aussortiert und entsorgt“, sagt Kniepkamp. Lebensmittel seien für viele Menschen nicht mehr die im eigentlichen Sinne notwendigen Mittel zum Leben, sondern frei und immer verfügbare Waren, deren genau Herkunft viele nicht einmal kennen. Davon ist auch Dietmar Groß vom Biohof in Homberg-Mühlhausen überzeugt. „Der Handel handelt, was gehandelt wird“, sagt Groß fast schon resignierend und nennt ein Beispiel: Trotz des Wegfalls der Vermarktungsnormen für Gurken, seien nach wie vor krumme Gurken nicht gefragt. Das sei nur eines von vielen Beispielen. Dabei seien die krummen und knubbeligen Gemüse-Individualisten keineswegs qualitativ schlechter.

Was dann in die Supermarkt-Auslage gelange, sei häufig kiloweise oder in zu großen Stückzahlen abgepackt. Das verleite Menschen dazu, mehr einzukaufen, als sie brauchten, erklärt Kniepkamp - das sei eine fatale Entwicklung.

Von Maja Yüce und Petra Schaumburg-Reis  

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Quelle: HNA

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