Bestand an Rehen so hoch wie nie zuvor

Viele Wildschäden an jungen Bäumen im Gemeindewald Breuna

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Hermann Dilling

Breuna. Der Gemeindewald in Breuna ist gut strukturiert und in einem guten Zustand. Deshalb wird er für die Gemeine Breuna in den nächsten zehn Jahren einen jährlichen Erlös von 100 000 Euro erwirtschaften.

Doch es gibt auch einen „unschönen Befund“ im Gutachten von Hermann Dilling vom Landesbetrieb Hessen-Forst: Wildschäden an jungen Bäumen.

Ungleichgewicht im Wald: Es gibt Verbissschäden im Gemeindewald Breunas. Im hinteren Teil des Bildes konnten Bäume eingezäunt wachsen. Davor Bäume der gleichen Generation – allerdings vom Rehwild angefressen und längst nicht so hoch gewachsen, wie die Nachbarschaft hinterm Zaun. Bürgermeister Klaus Dieter-Henkelmann hält in der linken Hand eine heruntergefressene Buche. Revierleiter Wilfried Bott (links im Bild) fast an eine Buche, die genau so alt ist, sich aber ohne Verbiss entwickeln konnte.

„Wir wollen verstärkt auf Mischbaumarten im Gemeindewald hinwirken, in dem derzeit überwiegend Buchen stehen“, sagt Dilling. Doch mit einer Verjüngung derBaumbestände werde es schwierig und gar unmöglich, wenn zu viel Rehwild daran nage. Kaputte Bäume würden auch weniger Ertrag bringen. Es gibt einen guten Grund, Mischbaumarten unter die Buchen zu bringen. Denn sollte die prognostizierte Klimaerwärmung eintreten, werde die Buche ganz erheblich an Vitalität verlieren und absterben. Deshalb würde er gerne Mischbäume dazu gesellen. Doch die Bäume hätten kaum eine Chande, weil die Rehwildbestände auf einem historischen Höchststand seien. „Dieses Ungleichgewicht geht zu Lasten des Gemeindewaldes“, sagt Dilling. Das Anbringen von Verbissschutz sei teuer und die Pflege ebenso.

Dilling hatte in den vergangenen sieben Monaten in Kooperation mit der Gemeinde und Revierförster Wilfried Bott den 908,7 Hektar großen Breunaer Gemeindewald untersucht. Von den 900 Hektar Wald stehen 300 Hektar in Verjüngung. Denn je artenreicher der Wald, desto weniger Waldschäden insgesamt. Revierförster Wilfried Bott und Breunas Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann (SPD) setzen auf Aufklärung. „Die Jägerschaft muss mit dem Revierleiter kommunizieren“, sagt Henkelmann. „Doch das funktioniert nicht gut“, sagt Wilfried Bott. Die Hege sei das A und O. Die Natur habe das Potenzial, sich von selbst zu verjüngen. Das würde aber auch bedeuten, die entsprechenden Flächen für fünf bis zehn Jahre frei von Wild zu halten. Andernfalls würden die jungen Bäume nur noch als vekrüppeltes Brennholz enden.

Veto-Recht für die Gemeinde 

Klaus-Dieter Henkelmann will, dass die nächsten Verträge mit den Jagdgenossenschaften detaillierter auf die Waldwirtschaft eingehen, und er will ein Veto-Recht für die Gemeinde haben. „Der Wald geht uns alle an“, sagt Henkelmann. Und wenn das Gleichgewicht nicht stimme, der Rehwildbestand zu hoch sei, müsse nachreguliert werden. Die Interessen des Waldes müssen in den Verträgen Wiederhall finden, meint auch Revierförster Wilfried Bott.

Das sagt der Jagdverein 

Der ökologische Jagdverein Hessen sieht die Problematik der Verbissschäden genau wie Breunas Revierförster Wilfried Bott. Verantwortungsvolle Bejagung zeige sich im Wald. „Trifft man im Forstbereich auf Zäune, um den Aufwuchs vor dem Wild zu schützen, dann wird dort nicht genug gejagt. Dabei geht es nicht nur um die Interessen der Forstwirtschaft, sondern auch um den Erhalt des Waldes als Klimafaktor, Wasserspeicher und Erholungsraum für die Bevölkerung. Es geht um die Balance“, erklärte der Jagdverein.

Quelle: HNA

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