Nur wenige wollen in die Selbstständigkeit

Vielen Unternehmern im Kreis fehlt ein Nachfolger

Schwalm-Eder. Für Unternehmer im Schwalm-Eder-Kreis wird es immer schwieriger, einen Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. Die Zahl der Betriebe in Handwerk und Handel, die demnächst zur Übergabe anstehen, wachse, sagt Andreas Fischer vom Servicezentrum Schwalm-Eder der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK).

Die Zahl der potenziellen Nachfolger aber sinke. Ein Grund für diese Entwicklung sei, dass sich immer weniger Menschen selbstständig machen wollen. Ließen sich 2011 noch 146 Menschen bei der IHK zu Fragen zur Selbstständigkeit beraten, so waren es 2012 nur 91 potenzielle Existenzgründer, die sich Tipps geben ließen. Im vorigen Jahr stieg ihre Zahl nur leicht an: auf 96.

Für Fischer ist das ein Indiz dafür, dass die berufliche Selbstständigkeit deutlich an Attraktivität verliert: „Die Zahl derer, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und einen Betrieb übernehmen wollen, sinkt beständig“, berichtet Fischer. Das bekommen jene Firmeninhaber zu spüren, die ihren Betrieb aus Altersgründen abgeben wollen.

Die gute Lage am Arbeitsmarkt dämpfe das Interesse am eigenen Betrieb: „Viele junge Leute setzen heute eher auf ein Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten und festem Gehalt als auf eine 60-Stunden-Woche als Unternehmer mit ungewissem Einkommen“, sagt Fischer.

Die Banken bemühten sich, die finanzielle Hürde bei einer Betriebsübernahme so niedrig wie möglich zu halten, sagt Thomas Gille, Vorstand der Kreissparkasse Schwalm-Eder (KSK). Der KSK sei es ein Anliegen, Übernahmepläne zu ermöglichen: „Es geht um wirtschaftliche Verantwortung für die Region.“ Heute aber seien die Betriebe oft wertvoller als früher, die Übergabesummen damit höher. Gille kann das nachvollziehen: „Es will ja niemand sein Lebenswerk verschenken.“

Von Claudia Brandau

Mehr lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Melsunger Allgemeinen.

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare