Vielschichtige Kunstmusik: Besonderes Tangokonzert

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Weltstar an der Geige: Die Niederländerin Isabelle van Keulen.

Bad Zwesten. Tango ist kein Tanz, Tango ist eine Weltanschauung. Und Buenos Aires ist das Rom des Tango, wo Astor Piazzolla der Papst ist.

Der argentinische Komponist hat den Tango da abgeholt, wo er zu treffen war - in den Kneipen der argentinischen Hauptstadt -, hat ihn dann aber so verändert und modernisiert, dass der „Tango nuevo“ entstand - mit der Folge, dass man ihn nicht mehr tanzen konnte.

Ein ganzer Abend mit dieser vielschichtigen Kunstmusik fand am Sonntag im Rahmen der Bad Zwestener Meisterkonzerte im Kurhaus statt.

Immer wieder einmal brechen berühmte Musiker der Klassikszene aus ihrem Repertoire aus und wenden sich Genres zu, die ihnen nicht an der Wiege gesungen wurden. Dies gilt auch für die niederländische Geigerin Isabelle van Keulen, die sich mit drei anderen Musikern der Musik Piazzollas verschrieben hat.

Bei solchen Projekten darf man ein wenig skeptisch sein, ob der Salto gelingt. Bei dem Quartett, dessen Auftritt üppig bejubelt wurde, stand jedoch schon nach den ersten Takten fest, dass hier ein exquisites Konzertereignis begonnen hatte.

Und es war ein Plus dieser Truppe, dass sich der Weltstar an der Geige nie in den Vordergrund spielte. Zudem hatte Isabelle van Keulen keine Probleme, vom Reinheitsgebot der Klassik abzulassen und nicht zu knapp Schmalz und Schmelz beizumischen.

Für die drei anderen gilt dies ebenso: Christian Gerber mit seinem herrlich voll klingenden Bandoneon, Rüdiger Ludwig mit dem Kontrabass (für den Piazzolla ein eigenes Stück „Contrabajísimo“ komponierte) und nicht zuletzt Ulrike Payer am Klavier. Die Auswahl der Stücke bot einen Querschnitt durch Piazzollas Schaffen. War bei den frühen Stücken noch die schummrige Atmosphäre eines Tangolokals zu erschnuppern, faszinierte bei den späteren die blitzende Virtuosität voller unerwarteter Wendungen.

Das Quartett ohne Namen stand weit über allen technischen Schwierigkeiten und zeigte ein ausgezeichnetes Zusammenspiel, das man nicht nur hören, sondern auch an den Mienen ablesen konnte. Ein Konzert der Extraklasse.

Quelle: HNA

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