Weil die Einsatzbereitschaft tagsüber kritisch ist, machte weibliches Quartett Ausbildung

Vier Frauen für die Wehr

Vier Frauen in Schutzkleidung: Silke Becker, Pia Mathe, Carolin und Gudrun Löber (von links) verstärken die Einsatzabteilung der Balhorner Feuerwehr. Foto: zhf

Balhorn. Vier Frauen verstärken künftig die Einsatzabteilung der Balhorner Feuerwehr. Vor allem tagsüber, wenn viele der aktiven Feuerwehrmänner außerhalb an ihrer Arbeitsstelle sind, profitiert die Wehr durch die Verstärkung.

Sie wollte einfach nicht mehr nur zuschauen, wie sich die Männer der Balhorner Feuerwehr immer wieder abmühen, wenn der Pieper zum Einsatz ruft. Silke Becker wollte lieber selbst aktiv werden, damit die Brandschützer auch in zehn Minuten da sind, wo es brennt. So nämlich lautet die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist.

„Viele unserer Feuerwehrmänner arbeiten in Kassel, nur noch wenige in unmittelbarer Nähe, das hat in diesem Jahr schon das ein oder andere Mal für Engpässe gesorgt.“

„Es konnte einfach nicht mehr so weitergehen“, sagt die 34-Jährige. „Viele unserer Feuerwehrmänner arbeiten in Kassel, nur noch wenige in unmittelbarer Nähe, das hat in diesem Jahr schon das ein oder andere Mal für Engpässe gesorgt.“ Selbst am Fenster zu sitzen und ihren Vereinskollegen auf dem Weg zum Einsatz zuzuwinken, das ging ihr gehörig gegen den Strich. Ihre Lösung: selbst aktive Feuerwehrfrau werden.

Etwas zögerlich gab Silke Becker ihre Idee im Freizeitclub der Feuerwehrfrauen preis, nicht wissend, wie die Freundinnen reagieren würden. „Ich war schließlich nach meiner aktiven Zeit in der Jugendfeuerwehr schon mehr als 16 Jahre raus, den anderen ging es ähnlich.“ Die Reaktionen waren alles andere als das, was sie erwartet hatte.

Volle Unterstützung

Schnell nämlich war Becker nicht mehr allein mit ihrem Vorhaben, hatte in Pia Mathe, Carolin und Gudrun Löber drei Mitstreiterinnen gefunden. Auch der Vereinsvorsitz um Wehrführer Oliver Lenz war von der Frauen-Power schnell überzeugt. „Ohne Frauen geht es einfach nicht mehr“, sagt Lenz. „Wir waren positiv überrascht und haben natürlich alles getan, um die Vier zu unterstützen.“

Frei nach dem Motto „unsere Freizeit für Ihre Sicherheit“ büffelten sie fortan an vielen Abenden für die nahende Grundausbildung, die die vier Frauen gemeinsam mit Quereinsteiger Christoph Brinkmann und Jonas Herbstheyde aus der Jugendfeuerwehr von Ende September bis Anfang Oktober in Vellmar besuchen wollten.

70 Ausbildungsstunden

In 70 Ausbildungsstunden lernten die Frauen dort das umfangreiche Handwerkszeug für ihre künftige Feuerwehrtätigkeit: Unfallverhütung im Feuerwehrdienst, rechtliche Grundlagen, Kenntnisse über Gefahren der Einsatzstelle, wasserführende Armaturen, Schläuche, tragbare Leitern, Fahrzeugkunde, Einblicke in die Brand- und Löschlehre sowie Absicherungsmaßnahmen an der Einsatzstelle.

Besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung war das Abseilen aus dem zweiten Obergeschoss eines Hauses sowie das Besteigen der dreiteiligen Schiebeleiter mit einer Gesamtlänge von 14 Metern. „Das war schon nicht ohne“, sind sich die Teilnehmerinnen einig. Doch die Strapazen haben sich gelohnt, denn ruft der Pieper wieder zum Einsatz, dann springen Silke Becker, Pia Mathe, Carolin und Gudrun Löber künftig selbst in ihre Uniformen und stellen so sicher, dass die Balhorner Feuerwehr in zehn Minuten am Einsatzort ist – so, wie es die Hilfsfrist verlangt.

Quelle: HNA

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