Deutsch-israelisches Pianistenpaar

Konzertreihe im Stadtwaldpark: Vier Hände und ein Flügel

Melsungen. Der Detmolder Bläserkreis eröffnete vor 25 Jahren die Konzerte im Stadtwaldpark – mit einem Klavierduo der Extraklasse ging die Konzertreihe am Sonntag zu Ende.

Yaara Tal und Andreas Groethuysen, das deutsch-israelische Pianistenpaar, spielen nicht nur mit Homogenität und voller Esprit, sie kreieren auch besondere Konzertprogramme. Im Stadtwaldpark war der erste Teil des Konzertes ganz Franz Schubert gewidmet. Kein Komponist hat so viel Literatur für vierhändiges Tastenspiel hinterlassen.

Die Pianisten ließen die Zuhörer das Liedhafte in der Schubertschen Musik hören: Melodien, die immer wieder auftauchen, von Stimmungen hin- und hergerissen sind, sich aber doch immer wieder im Lied wiederfinden. Zu hören waren die Ouvertüre g-Moll und der Marsch aus dem Divertissement über französische Motive e-Moll.

Von Carl Reinecke schließlich die Sinfonie h-Moll, die Unvollendete, transkribiert für vierhändiges Tastespiel: auch hier brachten die beiden Musiker das Lied in den Vordergrund, und beendeten den 2. Satz in unglaublichem Pianissimo – unvollendet, verhallend im Raum.

Nach der Pause dann als Leitmotiv der Choral. Geschickt gemischt aus den Choralvorspielen von Johannes Brahms im Wechsel mit den Choralbearbeitungen von Reinhard Febel (1952): Brahms, der sich mit diesen letzten Kompositionen für Orgel mit Johann S. Bach auseinandersetzte. „Nun komm, der Heiden Heiland“ beginnt tief, wird geschickt immer höher transponiert, bis man in hohen Tönen, im Licht landet. Oder „Wo soll ich fliehen hin?“ Während Tal das Choralvorspiel musiziert, kommen von ihrem Partner erst leise, dann massiver, kurze, dunkle Klänge, die sich in den Vordergrund drängen und die Melodie überlagern. Da kamen die Choralvorspiele Brahms dazwischen als Versöhnung, Beruhigung in ihrem romantischem Wohlklang.

Fulminant die Tannhäuser Ouvertüre von Richard Wagner. Auch ihr liegt ein Choral zugrunde: Rauschende Klänge, pointiert exaktes Zusammenspiel – hier zeigte sich das Duo noch einmal musikalisch und technische Brillanz. Begeisterter Applaus und Standing Ovations.

Im Anschluss dankte Bürgermeister Markus Boucsein Dr. Ulrike Schnell für 25 Jahre Engagement. Was als Konzertreihe begann, wurde ab 1998 mit „Pro Concerto“ zur Förderung junger Künstler. Dazu kamen die Familientage mit Konzerten von Kindern für Kinder. Es sei ihr immer ein Anliegen gewesen, so Dr. Schnell, junge Menschen an die Konzerte heranzuführen.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

Kommentare