Alltag ist eingekehrt 

Erstaufnahme in Schwarzenborn: Ein Rundgang durch die Zeltstadt

Schwarzenborn. Das Regierungspräsidium hatte erstmals Medienvertreter zu einem Rundgang in die Zeltstadt in Schwarzenborn eingeladen. 358 Männer sind derzeit dort untergebracht.

Eine lange Schlange wartender Männer durchzog die Zeltstadt: Essensausgabe. Gegessen werde zum Teil in Gemeinschaftszelten, die meisten allerdings nähmen die Mahlzeiten mit in ihr Zelt, erklärte Objektleiter Michael Stein. An diesem Tag gab es zum Mittagessen Spinat, Omelett und Kartoffeln.

Die Menschen

Kaum Privatsphäre: Auf bis zu 20 Menschen können in den beheizten Zelten untergebracht werden.

Durchschnittlich vier Wochen verbringen die Männer derzeit in der Zeltstadt in Schwarzenborn, sagte Stein. Das Durchschnittsalter liege ungefähr bei 28 Jahren. Einen Sprecher oder einen Beirat, der die Interessen der Flüchtlinge vertritt, gebe es nicht. Mehr als die Hälfte seien Syrer. Viele kämen aber auch aus Afghanistan, Pakistan und Eritrea. Laut Stein gibt es in der Erstaufnahme keine chronisch Erkrankten. Zwei Flüchtlinge mussten an der Bandscheibe operiert werden und wurden nach Kassel verlegt.

Die Unterkünfte

Privatsphäre gibt es so gut wie keine. Der Sanitärbereich ist durch Planen sichtgeschützt. Die Zelte sind unterschiedlich groß. In den kleineren können bis zu zehn Personen untergebracht werden, in den größeren bis zu 20 Personen. Ein Zelt dient als Gebetszelt. In einem Container gibt es einen Kioskverkauf, beliefert vom Laden in Schwarzenborn. Den Verkauf übernimmt ein Ehrenamtlicher. In einem weiteren Container wird Wäsche gewaschen und getrocknet. Das übernehmen zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen und eine ehrenamtliche. Die Flüchtlinge geben zeltweise ihre Wäsche ab.

Die Beschäftigung

Behelfsmäßiges Fitness-Studio: Die Langeweile ist ein Problem in der Zeltstadt. Die Flüchtlinge spielen zum Beispiel Volleyball und Fußball oder versuchen Krafttraining.

In einem der Gemeinschaftszelte steht ein Tischkicker. Behelfsmäßig haben sich die Flüchtlinge ein Volleyballfeld eingerichtet. Das fehlende Netz wird durch Bauzäune ersetzt. Zudem gibt es ein Fußballteam. Stein hofft durch Spenden, einen Beamer mit Leinwand zu finanzieren, damit die jungen Männer beispielsweise Sportübertragungen sehen können. Inzwischen wird auch Deutschunterricht angeboten. Teilweise helfen die Männer auch bei Arbeiten, die im Camp anfallen, sagte Stein.

Die Perspektive

„Wir wissen, dass diese Unterkunft im Winter für die Menschen nicht geeignet ist“, sagte Michael Conrad, Pressesprecher des Regierungspräsidiums. So bald wie möglich würden die Menschen aus der Zeltstadt in feste Unterkünfte verlegt werden.

Schwarzenborn: Medienvertreter besuchen Zeltstadt

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Haaß

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