„Mehr als nur Fußball“

Viktor Snigur aus der Ukraine, drückt am Sonntag beiden Teams die Daumen

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Freuen sich auf das Spiel zwischen Deutschland und der Ukraine: Viktor Snigur (Mitte) stammt aus der Ukraine und lebt in Homberg. Unter anderem mit seinen Freunden Eduard Gellert (rechts) und dessen Tochter Kristina Gellert, die das Gespräch mit der HNA übersetzt haben, hofft er auf eine friedliche EM.

Am Sonntag startet für Jogis Jungs die Europameisterschaft in Frankreich. Die Ukraine ist der erste Gegner der Nationalmannschaft. Wir stellen zu jedem Spiel einen Menschen aus dem Landkreis vor, gegen dessen Heimatland Deutschland antritt.

Nimmt er nun die blau-gelbe oder doch lieber die schwarz-rot-goldene Fahne? Ganz so sicher war sich Viktor Snigur aus Homberg nicht, als es daran ging, sich für unsere Zeitung fotografieren zu lassen. Denn wenn am Sonntag das Spiel Ukraine gegen Deutschland bei der Europameisterschaft angepfiffen wird, dann schlagen zwei Herzen in seiner Brust. „Eines aber ein klein wenig schneller", sagt er und lacht. Das Deutsche. „Hier lebe ich jetzt und fühle mich zuhause".

Doch eigentlich sei er in einer guten Position, denn er habe in jedem Fall einen Grund zur Freude. „Egal, wer gewinnt, ich kann feiern, denn ich freue mich in diesem Fall für beide Teams“, sagt er. Die Ukraine sei seine Heimat. Seit 15 Jahren lebt Viktor Snigur in Deutschland. Die meiste Zeit davon in Homberg. Selbst hat er nie in einem Verein Fußball gespielt. In der Ukraine sei das nicht über Vereine organisiert, erklärt er. „Wir haben als Jungs draußen gekickt und wer richtig gut war, der wurde im Sportunterricht gefördert“. Zu diesen Entdeckungen habe er nicht gezählt. Doch sei er auf jeder Position einsetzbar gewesen, verrät er mit einem Augenzwinkern.

Im Osten herrscht Krieg

Über die Politik in seinem Heimatland will er nicht sprechen. Seit mehr als zwei Jahren herrscht im Osten der Ukraine Krieg. Menschen sterben. Und auch sonst liege vieles im Argen in der Ukraine, sagt er dann. Er nennt das Gesundheitssystem als Beispiel, das sei längst nicht so gut wie das in Deutschland. Überhaupt gehe es bei der Ukraine bei dem Turnier um mehr als Fußball - jeder Erfolg ein positives Zeichen.

Die Fans seien sich in beiden Ländern sehr ähnlich: Autocorso, Fanartikel, EM-Song, Feuerwerk und Co. gehörten auch in der Ukraine dazu, wenn die Nationalmannschaft erfolgreich spiele. Doch bislang hätten die Fans der deutschen Nationalmannschaft mehr Grund zum Feiern gehabt, sagt er mit Blick auf die Meistertitel. „Deutschland und Spanien sind mit je drei Titeln Rekordsieger der Europameisterschaft“.

Die Ukraine habe noch nie auf dem Siegertreppchen gestanden. Bei der Weltmeisterschaft 2006 schaffte es die Ukraine bis ins Viertelfinale - und damit zum größten Erfolg der Verbandsgeschichte.

Viktor Snigur rechnet fest mit dem neuen, jungen Team der Schowto-blakytni, wie die Mannschaft genannt wird (siehe Stichwort). Sein Tipp: Vierter Platz - „mit Glück“. Jogis Jungs traut er wieder einen Titelgewinn zu. „Oder den zweiten Rang“, sagt er. Seine Lieblingsspieler sind Philipp Lahm und Andrij Jarmolenko. Während der EM gerate er schon ein wenig in Stress, denn er schaue nicht nur die Spiele seiner beiden Favoriten, sondern auch die der russischen Mannschaft. Der Fernseher und der Grill stehen jedenfalls schon in seinem Schrebergarten bereit. Familie und Freunde kommen dann vorbei. „Meine Türen stehen immer offen“, sagt Snigur und freut sich auf eine „hoffentlich friedliche EM“. Dann greift er doch für den Fototermin zur blau-gelben Fahne.

Stichwort: Schowto-blakytni

Die ukrainische Fußballnationalmannschaft ist die Auswahlmannschaft des ukrainischen Fußballverbandes Federazija Futbolu Ukrajiny. Der Spitzname Schowto-blakytni bedeutet auf Deutsch die Gelb-Blauen.

Quelle: HNA

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