Obwohl schon erste Kraniche wieder gen Norden flogen, gab es einen großen, späten Zug nach Süden

Vögel des Glücks sind auf Winterflucht

Herrlich, zu beobachten: Für gewöhnlich im Herbst und im Frühjahr sieht man über der Schwalm die Kraniche ziehen. Dieses Jahr zeigten sie sich zur sehr ungewöhnlichen Zeit. Foto: privat

Schwalm. Im Oktober und November und wieder von Ende Februar und im März gehören die laut rufend in Keilformation vorüber fliegenden Kranichscharen zu den regelmäßigen Erscheinungen in der Schwalm. Aber Ende Januar und jetzt noch auf dem Weg nach Süden?

Allein am letzten Montag wurden in Hessen mehr als 5000 nach Süden ziehende Kraniche beobachtet, viele davon auch im Schwalm-Eder-Kreis. Zusammen mit weiteren Sichtungen in dieser Woche, darunter auch viele in Nordrhein-Westfalen, sind dieser Tage offenbar mehr als 10 000 Kraniche in ihre eigentlichen Winterquartiere in Frankreich und Spanien aufgebrochen.

Auslöser für diesen zeitlich sehr ungewöhnlichen, starken Kranichzug sind die zunächst sehr hohen, oft vorfrühlingshaft milden Temperaturen bis weit in den Januar hinein, die fast 20 000 Kraniche in den traditionellen Rastgebieten in Norddeutschland verweilen ließ.

Kraniche sind Mittelstreckenzieher, die ihr Zugverhalten durchaus an die jeweils vorherrschenden Witterungsverhältnisse anpassen können. Überwinterungsversuche kommen in Norddeutschland immer wieder vor, in solch großer Zahl sind sie aber ungewöhnlich. Ab Mitte Januar wurden sogar immer wieder kleine Kranich-Gruppen beobachtet, die sich schon auf den Heimweg gemacht hatten und nach Norden und Nordosten flogen.

Das Hoch Cooper sorgt nun jedoch für sibirische Kälte, der viele Kraniche umgehend ausgewichen sind. Ein solcher Vogelzug, der unmittelbar mit hereinbrechendem Winterwetter in Zusammenhang steht, wird unter Vogelkundlern als Winterflucht bezeichnet. Die Vögel flüchten dann wortwörtlich vor dem Winterwetter nach Süden. Auch bei vielen anderen Vogelarten ist dieses Verhalten zu beobachten, wenn auch nicht so auffällig wie bei den großen Kranichen.

Beispielsweise nimmt die Zahl der Wacholderdrosseln in Obstwiesen und Hecken derzeit auffallen zu. Die amselgroßen, aber mit gelboranger Brust, rotbrauner Oberseite und grauem Kopf sowie Bürzel viel bunter gezeichneten Drosseln haben vielfach ebenfalls versucht, im Norden zu überwintern, und machen sich jetzt auf den Weg nach Süden.

Gefahr für den Eisvogel

Auch viele Wasservögel ziehen nun mit vereisenden Gewässern ab. Lediglich der bunt schillernde Eisvogel ist kein Zugvogel, so dass diese Tage, wenn auch die Fließgewässer zuzufrieren beginnen, für den fliegenden Edelstein hohe Verluste bringen werden.

Unsere heimischen Gartenvögel hingegen, die wie Meisen, Kleiber oder Ringeltaube schon seit Ende Dezember ihre Revier singend und balzend abgrenzen, lassen sich von der Kälte noch nicht stören. Solange kaum Schnee liegt, können sie sich gut ernähren, so dass sie nach wie vor ihr Lied erklingen lassen. Munterer Meisengesang bei solchen Minusgraden, während wir froh sind, unsere wohltemperierten Wohnräume nicht verlassen zu müssen - Respekt vor den kleinen, nur gut zehn Gramm leichten Überlebenskünstlern!

Weitere Informationen: www.ornitho.de

Von Stefan Stübing und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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