Kondome und Medikamente schützen vor einer tödlichen HIV-Infektion

Vorbeugen gegen Aids

Beraten über Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität: Marie Rehs, Leiterin Ulrike Majewski und Markus Horn von der Awo in Homberg. Foto: Mangold

Schwalm-Eder. „Hier gibt es das nicht“ – diesen Gedanken hätten die Menschen im Kopf, wenn es um das Thema Aids gehe, glaubt Marie Rehs, Diplom-Sozialpädagogin und Sexualpädagogin des Beratungszentrums der Arbeiter-Wohlfahrt (Awo) in Homberg.

Dabei könne Aids jeden betreffen: „Das Virus fragt nicht nach Moral oder Geschlecht.“ Es reiche, wenn ein Mann ungeschützten Sex auf einer Reise in einem Risikoland gehabt hätte und die Infektion mit nach Hause zu seiner Frau brächte. Sextouristen gehören zu den Risikobereichsgruppen wie die Drogen- und Schwulenszene. Zu den Risikoländern zählen Subsahara-Afrika, Karibik, Südostasien, Osteuropa und Zentralasien.

Die Grenzöffnung nach Osteuropa habe sich in der HIV-Rate niedergeschlagen, im Milieu von Frauenhandel und Zwangsprostitution gäbe es ungeschützten Geschlechtsverkehr, erklärte Ulrike Majewski, Sozialpädagogin und Leiterin des Awo-Beratungszentrums. Auch über Bluttransfusionen, chirurgische Eingriffe, bei der Behandlung und Pflege von Erkrankten sowie von der Mutter auf das Kind kann das Virus übertragen werden.

Insgesamt 236 Neu-Infektionen wurden vom Robert-Koch-Institut für das Jahr 2011 in Hessen gezählt, davon 82 Fälle in Frankfurt. In Deutschland gab es 2889 Neu-Infektionen. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland mit 68 000 Fällen am Ende der Liste. „Das ist kein Grund zur Entwarnung“, sagte Markus Horn, Diplom-Sozialpädagoge und Sexualpädagoge des Beratungszentrums.

Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember möchte das Beratungszentrum auf die noch kaum bekannte Möglichkeit der Vorbeugung nach erfolgtem Kontakt mit dem Erreger hinweisen. Die Postexpositionsprophylaxe, kurz PEP, ist eine Notfallmaßnahme mit dem Ziel, die Infektion zu verhindern.

Nach einem Kontakt mit dem Virus, beispielsweise wenn beim Safer Sex etwas schief ging, das Kondom reißt, abrutscht oder vergessen wurde, und der Sexualpartner einer Risikogruppe angehört, können Medikamente eine HIV-Infektion zu 80 Prozent verhindern.

Schnell Handeln ist nötig

Mit der PEP muss so am besten innerhalb von zwei Stunden, möglichst binnen 24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden begonnen werde. Eingenommen werden in der Regel drei Medikamente für vier Wochen, die das Virus daran hindern, sich im Körper festzusetzen. Sie können Nebenwirkungen verursachen, beispielsweise Magen-Darm-Symptome, Übelkeit und Müdigkeit.

Die Einschätzung, ob das Risiko vorgelegen hat, nimmt ein Arzt vor. In der Nacht können sich Betroffene auch an bestimmte Kliniken wenden, die eine PEP vorhalten, in unserer Region sind das Kliniken in Marburg, Fulda, Gießen und Hannover. Die Krankenkassen zahlen meist dafür.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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