Gemeinde sucht Nachfolger

Vorerst ein Arzt weniger: Praxis Dr. Volker Iber schließt zum 1. September

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Hat eine neue Praxis in Melsungen: Dr. Volker Iber gibt seine Gemeinschaftspraxis in Melsungen und seine Dependance in Malsfeld auf.

Malsfeld. Die Praxis Dr. Volker Iber wird es ab dem 1. September in Malsfeld nicht mehr geben. Darüber hat der Mediziner seine 700 Malsfelder Patienten bereits in einem Anschreiben informiert.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren wird eine neue Praxis in der Bahnhofstraße in Melsungen beziehen. Eigentlich wollte er neue Räumlichkeiten in einem geplanten Ärztehaus in Malsfeld eröffnen. Die Pläne scheiterten jedoch bei Verhandlungen mit der Gemeinde über den Mietpreis. Laut Malsfelds Bürgermeister Herbert Vaupel gab es keinen Verhandlungsspielraum.

„Wäre mir die Gemeinde in den Verhandlungen entgegen gekommen, hätte ich meine Praxis in Malsfeld eröffnet“, sagt der Elfershäuser Iber. Diese Möglichkeit ist jetzt vom Tisch, denn mittlerweile hat der Mediziner neue Räumlichkeiten in Melsungen gefunden. „Nachdem Dr. Detlef Sommer keinen Nachfolger finden konnte, habe ich mich entschieden dort eine eigene Praxis zu eröffnen“, erklärt er.

Malsfelder Praxis schließt

Die neue Praxis wird er allein betreiben und nicht länger mit Dr. Bernd Sostmann in der Gemeinschaftspraxis in Melsungen zusammenarbeiten. „Deshalb schaffe ich es nicht, meine Dependance in Malsfeld weiterzuführen.“ Schließlich könne er nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

„Uns als Gemeinde waren in den Mietverhandlungen die Hände gebunden“, sagt Bürgermeister Vaupel. Man habe Iber aber eine faire Miete angeboten. „Seine Vorstellungen lagen jedoch 50 Prozent unter unserem Angebot“, erklärt Vaupel weiter. Die Mieten seien mit der Finanzaufsicht des Schwalm-Eder-Kreises abgestimmt. „Die für das geplante Ärztehaus bereit gestellte Summe von 800 000 Euro waren an die Bedingung geknüpft, kostendeckende Mieten zu erzielen.“ Die Gemeindevertreter seien fraktionsübergreifend auch nicht bereit gewesen, die Miete zu subventionieren. „Wir haben das nicht als Pflichtaufgabe gesehen und hatten durch die Haushaltskonsolidierung im letzten Jahr wenig finanziellen Spielraum“, sagt Vaupel.

Man nehme Dr. Iber seine Entscheidung nicht übel und sei jetzt auf der Suche nach Lösungen. „Denkbar ist eine Kooperation mit einer anderen Praxis.“

Vaupel sieht aber auch die Bundespolitik in der Pflicht: „Es müssen Anreize geschaffen werden, die es für Ärzte interessant machen, auf dem Land zu praktizieren.“ Dr. Iber hält die Chancen für eine neue Praxis Malsfeld für gering: „Der Bedarf ist gedeckt. Es gibt keinen Patientenstamm für einen neuen Arzt.“

Versorgung ist sicher

Die Patienten in Malsfeld müssen sich unterdessen keine Sorgen machen. „Die ärztliche Versorgung ist gewährleistet“, sagt Vaupel. Es gebe mit Dr. Helmut Bürger einen Hausarzt in Beiseförth. Und Dr. Iber verspricht: „Für meine Patienten ändert sich nur der Anfahrtsweg. Ich werde sie weiter behandeln.“

Eine Fahrt mit dem Bürgerbus zu Arztbesuchen in Melsungen ist allerdings nicht möglich. „Da gibt es klare Vorgaben des Regierungspräsidiums, die das verbieten“, erklärt Vaupel.

Von Jonathan Vorrath

Kommentar: Chancen verpasst

Von Jonathan Vorrath

"Die Malsfelder Gemeindevertreter haben eine große Chance verpasst: Sie hätten mit Dr. Volker Iber einen Arzt in Malsfeld halten können. Das hätte nicht passieren dürfen. Denn Malsfeld wird es jetzt sehr schwer haben einen Nachfolger zu finden. Wahrscheinlich wird kein neuer Mediziner mehr kommen. Das ist besonders für die Patienten, aber auch für die Gemeinde ein Verlust. 

 Die ärztliche Versorgung scheint durch Allgemeinmediziner in Melsungen und Beiseförth zwar gesichert, ältere Patienten ohne Auto werden es aber schwer haben ihren Weg in die Praxis zu finden. Auch für junge Familien wird Malsfeld durch weniger Ärzte als Wohnort unattraktiver. Deshalb wäre eine neue Arztpraxis für die Gemeinde Gold wert gewesen. 

Im Wettkampf um Standortvorteile mit anderen Kommunen muss man solche Chancen unbedingt nutzen. Denn wie schwer es ist, Ärzte in ländliche Regionen zu locken, zeigt sich in Melsungen. Dort konnte trotz bester Bedingungen kein Nachfolger für die Praxis Dr. Sommer gefunden werden. 

 Aber auch Dr. Iber hat die Chance verpasst, näher an seinen 700 Malsfelder Patienten zu sein. Schließlich liegen sie ihm als gebürtigem Elferhäuser, wie er sagt, sehr am Herzen. Mehr Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten hätte Malsfeld einen Hausarzt als zentrales Puzzleteil für ein neues Ärztehaus gesichert."

Quelle: HNA

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