Vorhang auf für die Generalprobe:

Jeder Handgriff muss sitzen: Taucheinsatzleiter Jörg Güldner unterstützt den Taucher beim Anlegen der Ausrüstung. Die Taucher erkunden den Grund, bevor der Bagger mit der speziellen Siebschaufel die Altlasten aus dem Wallgraben sieben soll. Fotos:  Grede

Ziegenhain. Die vorbereitenden Arbeiten für die Kampfmittelräumung im Wallgraben werden fortgesetzt (wir berichteten). Am Großen Wallgraben läuft jetzt die Generalprobe: In einem Testfeld wird ein Bagger mit einem Siebgreifer probeweise den Schlamm durchsieben.

Gestern verschaffte sich Hessens Justizministerin Eva Kühne- Hörmann ein Bild von den Arbeiten an dem 10,9-Millionen-Euro Projekt. .

?Was passiert jetzt am Wallgraben?

! Vor Ort ist eine Spezialfirma unter anderem mit drei Tauchern. Die Taucher sondieren die Fläche kleinteilig, bevor der Bagger von einem Ponton aus mit dem speziellen Siebgreifer zum Einsatz kommt, erklärte Taucheinsatzleiter Jörg Güldner.

?Was könnte im Wallgraben gefunden werden?

!Gutachten und Sprengungen belegen, dass der Wallgraben Hochexplosives birgt: Granaten, Panzerminen, Panzerfäuste, Gewehre und Eierhandgranaten. Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, die vermutlich zu Kriegsende abrückende Soldaten dort ensorgten.

?Wozu dient diese Testphase?

! Es sollen Erkenntnisse über Arbeits- und Zeitabläufe gewonnen werden, erklärte der Leiter des Ziegenhainer Landesbetriebs Bau und Immobilien Wolfgang Ziegenhain.

? Wann startet die Kampfmittelräumung tatsächlich?

!Erst nach der Testphase beginnen die europaweiten Ausschreibungen. Der aktuelle Probebetrieb soll dafür die Basis bilden. Laut Justizministerium könnten die Hauptarbeiten voraussichtlich Ende November beginnen.

?Warum zieht sich der Beginn der Kampfmittelräumung derart hin? Bereits 2011 hatte das Justizministerium erstmals grünes Licht gegeben.

!Im Laufe der Jahre habe es unterschiedliche Erkenntnisse gegeben, betonte die Ministerin mit Blick auf die langwierigen Planungen. Insbesondere, dass das Sediment, in dem die Kampfmittel vermutet werden, im Wasser verbleiben sollte, habe zu Neuplanungen geführt. Hintergrund: Solange der Schlamm im Wasser bleibt, ist er harmlos. Wenn er aber mit Sauerstoff reagiert, wird er zu Sondermüll. Die Entsorgung des Schlamms hätte erhebliche Kosten verursacht.

? Wann sollen die Arbeiten abgeschlossen sein?

!Die Justizministerin geht davon aus, dass das Projekt Kampfmittelräumung des Wallgrabens im September 2018 abgeschlossen ist.

Nicht einkalkuliert sind dabei witterungsbedingte Unterbrechungen wie beispielsweise das Zufrieren oder, bei einer Hitzeperiode, das drohende Umkippen des Gewässers. (syg)

Quelle: HNA

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