TÜV warnt: Vorsicht vor Gefahren im Wohnmobil

Schwalm-Eder. 800 Wohnmobile und 1500 Wohnanhänger gibt es im Schwalm-Eder-Kreis. Bei etwa 450 stellt der TÜV regelmäßig Defekte an den sensiblen Systemen für Heizung, Herd und Kühlschrank fest. „Unfälle können dabei tödlich enden“, sagt Erwin Berneburg.

Der 47-Jährige ist Sachverständiger beim TÜV Hessen. Er überprüft die Gasleitungen und Endgeräte.

Gerade zum Saisonauftakt sollten Eigentümer ihre Fahrzeuge selbst kontrollieren oder überprüfen lassen. Oft ließen sich mit wenigen Handgriffen schwere Unfälle vermeiden. „Wir reden schließlich von Feuer, Explosionen und Erstickung“, sagt Berneburg.

Der tragische Tod zweier junger Männer in ihrem Wohnmobil vor wenigen Wochen habe viele Camper verunsichert. Bei entsprechener Sorgfalt seien die Systeme aber sicher und zuverlässig, sagt Berneburg. Alle zwei Jahre würde bei der TÜV-Prüfung das Gassystem auf Herz und Nieren geprüft. „Keinesfalls sollte man Defekte selbst beheben, ohne diese Arbeiten von einem Fachmann abnehmen zu lassen. Das basteln an der Heizungsanlage ist sogar verboten“, sagt Berneburg. Besonders gefährlich seien beschädigte Abgasrohre. So könnten Abgase, meist Kohlenmonoxid, in den Innenraum gelangen.

Die Abgase von Kühlschrank und Heizung können, falls eingeatmet, bereits nach einer halben Stunde tödlich sein. Meist bemerke man das ausströmende Gas nicht mal, wenn man wach ist. Der Sauerstoffgehalt im Innern des Fahrzeugs nehme ab. Die Folge seien Kopfschmerzen und Müdigkeit. „In so einem Fall sollte man lüften und das Wohnmobil oder den Anhänger sofort verlassen, sagt Erwin Berneburg.

Professionelle Kontrollen am Fahrzeug dürfen im Schwalm-Eder-Kreis nur der TÜV in Schwalmstadt und in Fritzlar beziehungsweise zertifizierte Werkstätten vornehmen.

Bastelei kann tödlich sein: TÜV Hessen gibt Tipps, Wohnmobile und Anhänger fit für den Saisonstart zu machen

Schwalm-Eder. Tödliche Unfälle beim Campen lassen sich vermeiden. 790 Wohnmobile und 1460 Wohnanhänger sind derzeit im Landkreis zugelassen. Zahlen über die Unfallhäufigkeit in Wohnmobilen und Anhängern gibt es aber nicht. Weder beim Verband der Deutschen Versicherungswirtschaft noch beim Caravaning-Industrie-Verband Deutschland (CIVD). „Vielleicht liegt es daran, dass es nur wenige Fälle gibt“, sagt Jost Krüger, Technischer Leiter beim CIVD. Bei der Ursachenermittlung habe sich aber ergeben, dass in den meisten Fällen Basteleien und unsachgemäße Eingriffe in die Gasanlage Schuld waren an den Unfällen. Gerade deswegen sei es so wichtig, Änderungen von Gassachverständigen abnehmen zu lassen. Tipps vom Fachmann Erwin Berneburg vom Tüv Hessen in Schwalmstadt gibt dennoch Tipps, wie Camper ihr Fahrzeug überprüfen und Gefahrenquellen ausschließen können:

• Schläuche dürfen maximal zehn Jahre alt sein. Auf den Schläuchen steht in amerikanischer Schreibweise das Produktionsjahr und der Monat. Also zum Beispiel 2007/11.

• Flaschenstandort: Die Gasflaschen stehen auf einem Boden mit Abzugsmöglichkeit. Der Boden muss frei sein zur Durchlüftung. Keinesfalls gehöre dort Teppich oder ähnliches hin, sagt Berneburg. „Das Gas ist schwerer als die Luft und fällt nach unten – wenn der Abzug verschlossen ist, dann sammelt sich das Gas.“ Es bestehe die Gefahr des Erstickens oder des Entzündens.

• Schornstein: Der Schornstein der Heizung kann überprüft werden, er sollte freigängig sein und frei von Dreck sein. Auch der Regenschutz sollte unbedingt vorhanden sein.

• Belüftung Kühlschrank: An der Seitenwand mit dem Kühlschrank befindet sich eine vergitterte Öffnung für die Zuleitung für die Frischluft und die Ableitung der Abgase des Kühlschranks. Diese Gitteröffnung muss offen sein.

• Wenn das Wohnmobil länger nicht genutzt wird sollte die Gasflasche zugedreht werden. Das Gas abstellen reiche nicht. Sonst stehe es bis zu den Verbrauchsgeräten, sagt Berneburg. „Der häufigste Fehler im System sind defekte Thermoventile am Herd. Wir prüfen diese, indem wir die Flammen anmachen und dann den Haupthahn abdrehen“, sagt Berneburg. Die Ventile sollten schließen und ein Klack-Geräusch ertönen. Dann werde die Gaszufuhr wieder angestellt, wenn dann Gas ausströme, sei das Ventil defekt. „Nur wenn per Hand am Regler das Ventil offen gehalten wird, darf Gas ausströmen.“ Die Reparatur sollte vom Fachmann erfolgen. „Bei der Heizung wird auch schon mal geschludert“, sagt Berneburg. Die erwärmte Luft werde mit einem Ventilator nach außen geblasen – dieser müsse aber sauber gemacht werden. „Auch wenn er schlecht zu erreichen ist, sollte das im Frühjahr gemacht werden.“ Wenn der Ventilator nicht frei drehe, könne er schnell kaputt gehen und Folgeschäden verursachen, weil die Wärmeableitung nicht funktioniere.

Vorbeugen schützt: Experte rät zu einem Rauchmelder

Der TÜV-Sachverständige Erwin Berneburg rät zum Einbau moderner Rauchmelder. Bei Alarm das Wohnmobil verlassen. Diese Geräte seien auch in der Lage, die Abgase und auströmendes Gas zu erkennen. Eine weitere Sicherheitsüberprüfung sei außerdem sinnvoll: So sollte bei der Heizung kontrolliert werden, ob die Fehlerschaltung funktioniert. So geht es: Den Gashahn zudrehen und die Heizung anstellen. Die Heizung sollte versuchen, zu starten. Weil dies unmöglich ist, muss eine Fehlermeldung ertönen oder eine Warnlampe leuchten. (ddd)

Quelle: HNA

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