Jagdverband warnt

Vorsicht in Wald und Feld: Wildtier-Nachwuchs darf nicht berührt werden

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Versteckt im Gras: Die Reh-Mutter ist meistens in der Nähe ihres Jungen. Wer ein Kitz findet, sollte es nicht berühren. Foto: Archiv

Wolfhager Land. Im Frühling werden Wald und Feld zum Kindergarten: Ab Februar erblicken Wildschweine das Licht der Welt, gefolgt von Feldhasen, Rehen, Wiesenbrütern und im Juni Rothirschen. Bei Spaziergängern löst der Anblick eines Jungtieres oft Mitleid aus - streicheln ist dennoch verboten.

Oft scheinen Spaziergänger zu glauben: "Das arme Tier ist wohl ganz allein, schutzlos, friert und hungert." Doch dem ist nicht so.

„Wachsame Elterntiere beobachten ihren Nachwuchs aus sicherer Entfernung. Dieses Verhalten schützt den Nachwuchs vor potentiellen Fressfeinden“, sagt Britta Hartmann-Barth vom Wolfhager Jagdverband. Die Strategie dahinter: Hasen und Rehe suchen ruhige Stellen in waldnahen Wiesen, legen ihre Jungen dort ab und suchen sie nur zum Säugen auf. Was auf den ersten Blick rücksichtslos erscheint, ist eine wirksame Vorsichtsmaßnahme. Weil die Jungen klein sind und nahezu über keinen Eigengeruch verfügen, sind sie im hohen Gras vor ihren natürlichen Feinden geschützt. Eine Wiese ist somit eine perfekte Kinderstube.

Die Jungen von Wildschweinen, Hasen, Rehen und Hirschen dürfe man auf keinen Fall anfassen, weil die Mutter den menschlichen Geruch wittere und sie nicht mehr annehme. Die Kleinen müssten verhundern.

Jäger kontaktieren

Werden Spaziergänger auf vermeintlich verwaiste Jungtiere aufmerksam, empfiehlt Hartmann-Barth im Zweifelsfall den ortsansässigen Jäger zu kontaktieren, der die Kinderstube beobachten könne. Die Verbandsvorsitzende rät ausdrücklich davon ab, sich der Jungen eigenmächtig anzunehmen und - aus falsch verstandener Tierliebe - den Eltern ihren Nachwuchs zu nehmen.

Naturschützer und Jäger bitten auch Hundebesitzer derzeit um erhöhte Rücksichtnahme in Wald und Feld. „Hunde sollten sich im Einwirkungsbereich ihres Besitzers aufhalten oder an der Leine bleiben“, bittet Britta Hartmann-Barth. Der Nachwuchs der Wildtiere, zu dem auch Bodenbrüter gehörten, hätte bei stöbernden und wildernden Hunden keine Chance.

Tod beim Mähen

Ein weiterer Feind für Rehkitz und Co sind landwirtschaftliche Maschinen. Schätzungen zufolge kommen bei der Frühjahrsmahd jährlich bundesweit allein bis zu 60 000 Rehkitze ums Leben. Insgesamt werden etwa 500 000 Wildtiere wie Hasen und Bodenbrüter getötet oder verstümmelt. „Vor allem beim Einsatz von hochtechnisierten Kreiselmähern fallen viele Jungtiere dem Mähtod zum Opfer“, erklärt ein Sprecher der Unteren Naturschutzbehörde in Wolfhagen. Im Vergleich zu früher würden die heutigen Maschinen mit großer Geschwindigkeit über die Wiesen fahren: „Da hat kaum ein Kitz noch eine Chance. Die Tiere haben keinen Fluchtreflex“, so der Sprecher

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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