Vorwurf: Eltern nach Chemieunfall zu spät benachrichtigt - Jungen schwer verletzt

Borken. Mit schweren Verletzungen liegen die beiden 15-jährigen Jungen, die am vergangenen Samstag bei einer Verpuffung im Chemiesaal der Borkener Gustav-Heinemann-Schule Verbrennungen erlitten, in einer Kasseler Klinik.

Der Rettungshubschrauber hatte sie mit Brandwunden an Händen und im Gesicht in das Krankenhaus transportiert (wir berichteten). Beide wurden inzwischen mehrfach operiert und werden wohl noch für einige Zeit stationär behandelt werden müssen, wie eine der Mütter berichtete. Sie äußerte sich zudem kritisch zu den Aussagen von Schulleiter Heinz Meier in der HNA vom Montag.

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Auch mehrere Tage nach dem Unfall bei einem Versuch im Chemiesaal der Borkener Gustav-Heinemann-Schule ist der Zustand der beiden verletzten Jungen Thema vieler Gespräche und Diskussionen. Nach den Äußerungen des Schulleiters Heinz Meier, der am Samstag direkt nach dem Unfall gegenüber der HNA davon gesprochen hatte, er würde sich „keine Sorgen“ machen, meldete sich jetzt die Mutter eines der beiden verletzten Schüler zu Wort. Die Aufregung sei groß gewesen am Samstag, schreibt Sigrid Koch aus Schlierbach, aber „war sie tatsächlich so groß, dass man nicht einmal daran dachte, die Eltern des schwer verletzten Jungen zu benachrichtigen?“

Das Kind habe den Notarzt lange quälen müssen, bis er endlich von dessen Handy aus den Anruf nach Hause gestartet habe - eine halbe Stunde nach dem Unfall. Als „unfassbare Äußerungen“ bezeichnet die Mutter in dem Schreiben die Bewertung Meiers, es habe sich um leichte Verletzungen gehandelt. „Für alle war offensichtlich, dass es sich um schwere Verbrennungen handelt“, schreibt Sigrid Koch. „Hätte das die Schule nicht sehen müssen? Oder ging es hier nur um das Image der Schule?“, fragt sie weiter. Die Eltern der beiden Jungen hätten sich vielmehr gewünscht zu hören, dass es der Schule leid tue. Alle hoffen, dass alles wieder in Ordnung komme. Dazu sei aber zunächst nur die betroffene Chemielehrerin in der Lage gewesen – trotz des Schocks. „Hut ab vor ihr“, schreibt Sigrid Koch.

Inzwischen müsse man dem Schulleiter zugute halten, dass er sich jetzt jeden Tag nach dem Befinden der Kinder erkundige. Doch fragt die Mutter auch nach weiterer Betreuung der Betroffenen: „Bisher hat sich niemand um psychologische Hilfe gekümmert“, kritisiert sie. Die sei ja eventuell auch für andere Schüler und die Lehrerin notwendig.

Das sagt der Schulleiter

Mit der Angst um das Ansehen seiner Schule habe sein Verhalten während und nach dem Unfall am Samstag absolut nichts zu tun, sagte Schulleiter Heinz Meier als Reaktion auf die Vorwürfe der Eltern. Daran habe er zuletzt gedacht. Ihm sei wichtig gewesen, schnellstmöglich eine gute ärztliche Versorgung der verletzten Schüler zu gewährleisten. Als das erfolgreich passiert sei, habe er vielleicht erleichtert gewirkt, aber um die Gesundheit der Jungen sorge man sich selbstverständlich. Er bedauere den Unfall und würde das Geschehene gerne zurücknehmen, wenn das ginge, sagt Meier. Die Schule samt Kollegium werde einen Brief an die Eltern schreiben, auch im Unterricht sei mit den Schülern über den Unfall gesprochen worden. (ula)

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Quelle: HNA

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