Landgericht

Vorwurf: Sexuelle Übergriffe

Schwalm-Eder/Kassel. Kurze Antworten gab es bei diesem Angeklagten nicht. Bei allem, was der 56-Jährige am Dienstag im Kasseler Landgericht vortrug, sprudelte ein halber Sorgerechtsstreit mit hervor.

Den führt der Mann aus dem westlichen Schwalm-Eder-Kreis, mit seiner Ex-Frau um ein gemeinsames Kind.

Aber das ist nicht Sache der 6. Strafkammer: Die soll vielmehr entscheiden, ob der Mann die Tochter der Ex-Frau schwer sexuell missbraucht hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-Jährigen mehrere solche Übergriffe vor. Sie sollen sich zwischen 1999 und 2001 ereignet haben, als die inzwischen erwachsene Stieftochter zwölf und 13 Jahre alt war.

Im häuslichen Bad, im Wohnzimmer und an einem See soll der Angeklagte das Kind sexuell berührt oder Berührungen an sich selbst gefordert haben. Jahre später, im September 2009 soll er die junge Frau gegen ihren Willen an der Brust begrapscht haben.

Der 56-Jährige wies am ersten Prozesstag alle Anklagepunkte zurück. „Ich habe dem Mädchen nichts getan“, betonte er. Er wisse, dass die Mutter der jungen Frau „die Fernbedienung in der Hand hält“. Die Tochter erzähle alles, was die Mutter wolle. „Die Frau ist unberechenbar“, sagte er über seine geschiedene Ehefrau und noch so einiges, wenig Freundliches.

Die Stieftochter ist Nebenklägerin im Prozess. Als sie am Dienstag ihre Aussage machte, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Eine gute Stunde lang. Ein psychiatrischer Gutachter sah keine Belege dafür, dass die Schilderungen der jungen Frau nicht auf eigenem Erleben beruhen könnten – obwohl er durchaus einige mögliche Motive für eine Falschaussage abgewogen hatte.

Ihrer Mutter soll die junge Frau im Herbst 2009 von den Übergriffen des Stiefvaters berichtet haben. Das sei auch der Grund für den Auszug mit den Kindern gewesen, sagte die Mutter selbst. Die Verteidigung hingegen wies darauf hin, dass in einem Schreiben zum Sorgerechtsstreit, das auf Dezember 2009 datiert ist, keine Missbrauchsvorwürfe erwähnt wurden.

Staatsanwalt und Gericht war es dann wichtig zu wissen, ob der Angeklagte schon vor dem Auszug der Ehefrau mit den Missbrauch-Vorwürfen konfrontiert worden sei. Die Antwort fiel nicht gerade punktgenau aus. Aber einen der vielen Sätze konnte sich der Staatsanwalt als Bestätigung notieren.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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