Waag-Mühle versorgt bald 150 Haushalte mit elektrischer Energie

Niederurff. Mit gleichmäßigem Rauschen strömt die Schwalm über das 54 Meter lange Wehr der Waag-Mühle vor den Toren von Niederurff. Bis Ende des Jahres wird sich das ändern. Dort, wo sich einst die alten Mühlräder drehten, soll eine Turbine die Wasserkraft in Strom umwandeln.

Insgesamt 850.000 Euro investiert Eckard Ochs, Geschäftsführer der Herkules Aquatec GmbH in das Projekt. Doch bis die erste Kilowattstunde in das Netz der Energie Waldeck GmbH (EWF) eingespeist ist, gibt es noch einiges zu tun. Denn weder Turbinenhaus, noch der Netzanschluss sind gebaut. Doch Ochs ist zuversichtlich, dass bis Jahresende an der Waag-Mühle CO2-freier Strom erzeugt wird.

Damit die Kraft der Schwalm zur Stromerzeugung genutzt werden kann, hat er vom Eigentümer der Waag-Mühle, Wolfgang Jäkel, die Wasserrechte auf Rentenbasis erworben. Der nächste Schritt folgt nun mit dem Baubeginn im Mai. Bis dahin müssen Mühlgraben und Wehr gesäubert und hergerichtet werden. Denn wo sich einst ein doppeltes Mühlrad drehte, hat sich die Natur breit gemacht. Doch Ochs und der Geschäftsführer der EWF, Stefan Schaller, sind sich einig, dass die 15 Tonnen schwere Turbine Strom in rentablen Mengen produziert.

Ochs stützt seine Zuversicht auf Zahlen, die über viele Jahre ermittelt wurden. So führe die Schwalm bis zu 6000 Liter Wasser in der Sekunde. Bei zwei Meter Fallhöhe könne die Turbine mit 130 Kilowatt elektrischer Leistung durchschnittlich 585.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Genug, um 150 Haushalte mit Energie zu versorgen. Und je eingespeister Kilowattstunden gibt es nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz (EEG) 12,67 Cent.

Während die Arbeiten an der Mühle, noch nicht begonnen haben, ist die Turbine, die im Landkreis zusammengesetzt wird, zu 80 Prozent fertig, sagt Ochs. Sie zeichne sich nicht nur einen hohen Wirkungsgrad und eine lange Lebensdauer aus. "Sie ist auch besonders fischfreundlich, was eine Studie belegt." Zwei Gründe seien dafür ausschlaggebend: die Turbine läuft langsam und die Laufradklappen sind stark abgerundet. Doch der sicherste Weg für die Fische ist über die Fischtreppe.

Positiv wertet auch Bürgermeister Michael Köhler die Pläne zur Nutzung der Wasserkraft. Sie füge sich in das Konzept der Nachhaltigkeit der Kurgemeinde ein und stärke die Region. Beratung am Wehr: Stefan Schaller, Geschäftsführer der EWF, Bürgermeister Michael Köhler, Investor Eckard Ochs und Mühlenbesitzer Wolfgang Jäkel vor der Waag-Mühle. Bis Jahresende soll dort eine Turbine Strom produzieren.

Von Rainer Schmitt

Quelle: HNA

Kommentare