Elisabeth Kurzrock aus Welferode feiert heute Geburtstag – Langeweile kennt sie nicht

Ein wacher Geist wird 101

Zählt zu den Ältesten in Homberg: Elisabeth Kurzrock aus Welferode feiert heute ihren 101. Geburtstag. Foto:  Brandau

Welferode. Langeweile kennt Elisabeth Kurzrock nicht. Sie hat im Garten Salat und Kohlrabi gepflanzt, das Unkraut gejätet, das nach dem Regen wie verrückt sprießt und ihren Haushalt in Schuss gebracht. Schließlich bekommt sie in diesen Tagen viel Besuch: Heute feiert sie ihren 101. Geburtstag.

Zwei Weltkriege hat die Welferöderin erlebt, die in ihrem Leben vor allem eines gemacht hat – gearbeitet. Als 15-Jährige ging sie zum Bauern, später verdiente sie ihr Geld sauer in einer Kasseler Metzgerei: „Da habe ich die schweren Körbe mit dem Fleisch schleppen müssen“, erinnert sie sich. Heute geht die kleine Frau stark gebückt, der Rücken macht nicht mehr mit, sagt sie. Das verwundert nicht, wenn man hört, wo sie überall gearbeitet hat. Einmal war sie zwei Jahre lang bei einer Melsunger Witwe im Haushalt tätig: „Das war herrlich: Da hatte ich jeden Tag Sonntag“, erinnert sie sich.

Nach dem Tod der Witwe aber begannen wieder die Montage. Fünf Jahrzehnte lang hat Elisabeth Kurzrock gearbeitet, drei davon in der Küche des Melsunger Stadtwaldsanatoriums. Dabei hatte sie gerade vor diesem Arbeitsplatz richtige Angst, denn dort war es laut: Der Küchenchef schrie, das Geschirr klapperte, die Bestecke rasselten: „Die ersten Tage waren zum Fürchten.“ Wenn sie es sich hätte aussuchen können, hätte sie gerne einen Beruf erlernt, aber der Vater in Welferode, der im Ersten Weltkrieg verwundet worden war, brauchte das Geld, das die Tochter verdiente.

Hätte gern Beruf erlernt

Der eine Sohn starb mit 21 Jahren an einer Lungenkrankheit, der zweite Sohn, Heinrich, kam in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ums Leben. Um ihn weint Elisabeth Kurzrock noch heute. Als er im Januar 1945 in Melsungen in den Zug stieg, um an die Front zurück zu kehren, habe sie gewusst, dass sie ihren Bruder Heinrich nie weder sehen würde, erzählt sie. Wie und wo er starb, wurde nie geklärt. Sein Bild hängt in der Stube gleich neben dem Fernseher. Es gibt Wunden, die heilen nie. Auch nicht nach bald 70 Jahren.

Sie hätte selbst nie geglaubt, dass sie so alt werden würde. Aber sie merke schon, dass sie älter werde: Im vorigen Jahr habe sie einen Teil ihrer Gemüsebeete mit Rasen einsäen müssen.

Aber es sei gut, dass mal jemand von der Zeitung da sei, sagt sie am Ende des Gesprächs. Sie merke nämlich, dass sie dringend ein Abonnement brauche: „Sonst weiß ich ja gar nicht mehr, was da draußen alles passiert.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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