Waffen und Munition in Scheune: Prozess um gefährliches Erbe

Schwalm-Eder. Ein 44-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Fritzlar verantworten. Grund dafür: Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und die Lagerung explosionsgefährlicher Stoffe.

„Neues Waffengesetz“ - so lautet die Überschrift auf einem Plakat, dass neben der Tür zum Gerichtssaal hängt. Hätte der Angeklagte das früher gesehen, wäre ihm vermutlich der schwere Tatvorwurf vor dem Schöffengericht in Fritzlar erspart geblieben. Mehrere Delikte kamen zusammen. Dazu zählten der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und die Lagerung explosionsgefährlicher Stoffe. Der Vater aus dem Schwalm-Eder-Kreis des Beschuldigten starb mit 20 Euro in der Tasche. Doch er hinterließ dem Sohn im Schwalm-Eder-Kreis zwei Scheunen voller Schrott. Dazu gehörten Autoteile, aber eben auch Kisten mit Waffen und Munition.

Der Staatsanwalt benannte 39 Positionen. Dazu gehörten Pistolen wie Mauser, Walther und eine Rarität des VEB Ernst-Thälmann, einstige Waffenfabrik der DDR. Es gab Gewehrläufe, Bajonette, Manövermunition und Teile einer Panzerfaust. Dass zum Beispiel allein das Verschlussteil eines MGs als Kriegswaffe gesehen wird und damit unter das Verbot des Besitzes fällt, wurde dem Angeklagten erst durch das polizeiliche Gutachten bekannt. Die Behörden erfuhren von dieser Sammlung durch die Anzeige eines „Anonymen Bürgers“. Dass diese Meldung einen Tag nach der Scheidung des Beklagten einging, wird von allen Beteiligten bewusst kommentarlos registriert.

Kooperatives Verhalten 

Dem Gericht lag ein Schreiben der Polizei vor, in dem das kooperative Verhalten des Täters hervorgehoben wird. Acht Wochen nach der Hausdurchsuchung fand sich noch eine Kiste mit einer Mörsergranate. Der Beschuldigte bat telefonisch um Abholung.

Erstaunt nahm der Staatsanwalt zur Kenntnis, dass ein einzelner Polizist die Kiste im normalen Einsatzwagen abholte. Zu jedem Fund der Haussuchung wurde durch einen Spezialisten ausführlich Stellung genommen. Das ergab ein vielseitiges Gutachten. Der Rechtsanwalt befürchtete, die Kosten könnten zu Lasten seines Mandanten gehen. Schnell würden damit bis zu 20 000 Euro als offene Forderung anstehen. Auf diesen Hinweis reagierte das Gericht nicht.

In der Urteilsbegründung wurde auf die Waffenunkenntnis des Angeklagten verwiesen. Er diente auch nicht bei der Bundeswehr. Auch seine vom Vater geerbte Sammlerleidenschaft fand Berücksichtigung. Ein Jahr Gefängnis auf zwei Jahre Bewährung lautete das Urteil. 1000 Euro müssen der Wildunger Tafel in Raten gezahlt werden. Der 44 Jahre alte LKW-Fahrer nahm das Urteil erleichtert an. Er ist froh, dass ein Schlussstrich gezogen wurde, auch wenn er mit der Entscheidung des Gerichtes nun ein besonders schweres Erbe antreten muss.

Von Michael Meinicke

Quelle: HNA

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