Landkreis hat 2015 deutlich mehr Genehmigungen ausgestellt

Waffenscheine sind im Schwalm-Eder-Kreis gefragter denn je

Schwalm-Eder. Die Zahl der Menschen im Landkreis, die sich mit Waffen ausstatten wollen, steigt.

Hatte die Kreisverwaltung im Jahr 2014 noch 40 kleine Waffenscheine ausgestellt, so waren es im vorigen Jahr bereits 53 Menschen, die die Erlaubnis beantragten, um eine Waffe kaufen, halten und mitführen zu dürfen.

Jochen Dörrbecker, bei der Kreisverwaltung zuständig für den Bereich der öffentlichen Sicherheit, verzeichnete vor allem im zweiten Halbjahr 2015 eine „klar ansteigende Tendenz“. Deshalb rechnet Dörrbecker fürs laufende Jahr noch mit deutlich mehr Anträgen, die zum Halten und Führen von Waffen berechtigen: „Die Nachfrage steigt rasant.“ Gründe dafür könnten die gesellschaftlichen Veränderungen sein, sagt Dörrbecker.

Auch wenn die steigende Zahl von Flüchtlingen und die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln viele Menschen verunsichern, gibt es für Polizeisprecher Markus Brettschneider keinen Anlass für eine höhere Nachfrage: „Die Gefahrenlage im Landkreis ist völlig unverändert.“

Es gebe keine Vorkommnisse in der Region, die man als Anlass dafür nehmen könnte, um einen Waffenschein zu beantragen oder Pfefferspray oder Schreckschusswaffen zu kaufen. Brettschneider rät davon ab: Die vermittelten lediglich eine trügerische Sicherheit. In Notsituationen sei die Gefahr, dass der Angreifer dem Opfer dessen Pfefferspray entwende und gegen es selbst einsetze, größer als die Chance, dass man den Täter damit in die Flucht schlagen könnte.

Vor überzogener Notwehr warnt der Selbstverteidigungs-Experte Steffen Heinemann aus Besse. Allerdings könne das Spray in der Tasche für ein sichereres Gefühl sorgen, auch wenn es nicht zum Einsatz komme. Wer sich für den Kauf von CS-Gas entscheide, solle den Umgang üben, denn die Gefahr der Selbstverletzung sei groß.

Sicherheit ist oft trügerisch 

Polizeisprecher Markus Brettschneider kann verstehen, dass viele Menschen wegen der Ereignisse in der Silvesternacht in Köln verunsichert sind. Aber der Homberger Polizist warnt vor dem Kauf von Reizsprays: Wer meine, dass er mit Pfefferspray in der Tasche wesentlich sicherer unterwegs ist, der könnte irren. Solche Abwehrmittel böten oft nur eine trügerische Sicherheit, sagt er.

Denn Markus Brettschneider hat schon zu oft erlebt, dass ein solches Abwehrmittel genau das Gegenteil dessen bewirkt hat, was es eigentlich bewirken sollte. Bei Reizgasen bestehe die Gefahr, dass es der meist stärkere Täter entwendet und gegen das Opfer selber richtet. Oder gar, dass Menschen bei Angst oder gar Panik überreagierten und das Mittel einsetzen, obwohl es gar nicht nötig gewesen wäre. „Dann kann aus der vermeintlichen Notwehr schnell eine gefährliche Körperverletzung werden.“ Viel wichtiger als das Tragen von Waffen sei es, ein gutes Gespür für seine Umwelt und für eventuelle Gefahren zu entwickeln, sagt Brettschneider.

Frauen, die am Abend allein unterwegs seien, die Tasche überm Arm trügen und nur auf ihr Handy starrten, seien so abgelenkt, dass sie ein leichtes Opfer für alle eventuellen Angreifer darstellten. Auch Joggerinnen, die mit Kopfhörern oder Ohrstöpseln unterwegs seien, würden eventuell von hinten drohende Gefahren viel zu spät wahrnehmen, sagte Brettschneider. Sein Tipp: Besser sei es, seine Umgebung im Blick zu haben - vor allem, wenn man allein und in der Dämmerung oder Dunkelheit unterwegs sei.

Grundsätzlich aber verweist der Polizeisprecher im Falle bedrohlicher Situationen immer auf die drei A: Wer Konflikte oder Gefahr wittere, sollte aufpassen, Abstand halten und ganz schnell abhauen.

Quelle: HNA

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