über das Glück, für sich und andere Verantwortung zu tragen

Joachim Gauck hielt Vortrag in Gudensberg 

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Volles Haus und stehender Applaus: Mit dem früheren Pastor und Stasibehördenleiter Dr. Joachim Gauck (Mitte) punktete die VR-Bank Chattengau beim Mitgliederforum im Gudensberger Bürgerhaus. Links Thomas Völker, rechts Reinhold Scherp vom Vorstand.

Gudensberg. Was haben die früheren Chatten und ein Ossi wie Dr. Joachim Gauck gemeinsam? Sie sind mutig, wollen ihre Eigenständigkeit behalten, ordnen sich nicht einer dominanten Staatsmacht unter.

Sie kämpfen für ihre Freiheit, denn sie – da ließ der frühere Stasibehördenleiter keinen Zweifel, was ihn betrifft – halten diese Freiheit für das wichtigste Gut eines Volkes.

Unerwartete Parallelen taten sich auf beim Gastvortrag des Politikers und Publizisten Dr. Joachim Gauck im Gudensberger Bürgerhaus. Er war auf Einladung der VR-Bank Chattengau ins Kernland der ihm bis dato unbekannten Chatten gekommen und sorgte beim Mitgliederforum für ein volles Haus.

Wohl keiner der Besucher bereute seine Entscheidung. Sie alle erlebten einen abgeklärten Rhetoriker, der seine Botschaften über Freiheit und Verantwortung, über Glück und Ängstlichkeit in Geschichten verpackte, die zwar lehrreich, aber nie langweilig waren.

Gauck rief seine Zuhörer auf, sich nicht von Angst regieren zu lassen. „Es scheint leider ein deutscher Charakterzug zu sein, sich nur dann wohl zu fühlen, wenn man sich schlecht fühlt“, bedauerte er. Dabei gebe es doch Gründe zuhauf, sich glücklich zu wähnen in einem Land, in dem man so vieles als selbstverständlich nimmt: Grundrechte, Meinungsfreiheit, Demonstrationsrecht,

„In meinem Land war das alles verboten“, erinnerte Gauck. Er erzählte von dem unbeschreiblichen Gefühl, als er am 18. März 1990 zum ersten Mal tatsächlich eine Wahl hatte. „Mir liefen die Tränen über die Wangen.“

Appellierend wandte er sich an seine Zuhörer im Saal: „Ich werde immer zur Wahl gehen, immer, so lange ich lebe!“ Nichtwählern werde er im Traum erscheinen, versprach er. Und wer nicht wisse, wen er wählen solle, dem sage er: Nimm den weniger Schlechten, wenn du keinen Guten findest! Aber wähle!

Gauck zeigte sich überzeugt, dass der Mensch nur in sozialen Bezügen sein Leben befriedigend gestalten könne. „Die Freiheit des Erwachsenen heißt, Verantwortung für etwas zu übernehmen“, betonte er. Auch für sein Glück könne man keine äußere Instanz verantwortlich machen, sondern nur sich selbst.

Jeder sollte sich für ein selbstbestimmtes Leben entscheiden, sich nicht zu einem Dasein drängen lassen, in dem er gelebt werde. Der Mensch sei schließlich das einzige Wesen auf der Welt mit der Fähigkeit, für sich selbst und andere Verantwortung zu übernehmen. „Man kann das fürchten, negieren, bezweifeln, aber man hat sie“, sagte Gauck.

Quelle: HNA

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