Wahlkampf in Homberg: Unterwegs mit Bürgermeister-Kandidat Dr. Nico Ritz

+
Zusammengepresst: Dieses Holz wird für Dach-Innenausbauten genutzt.

Homberg. Die Homberger wählen am Sonntag, 25. Mai, einen neuen Bürgermeister. Wir begleiteten die Kandidaten bei einem Wahlkampftermin. Heute: Dr. Nico Ritz.

Von Haustür zu Haustür zu gehen, um für sich zu werben, das ist nicht die Sache von Nico Ritz. Weil er es aufdringlich fände und weil zum Beispiel seine Frau solche Besuche von Wahlkämpfern als unangenehm empfunden habe.

Dr. Nico Ritz setzt unter anderem auf Besuche bei Homberger Firmen. „Da stehe ich schon mal spontan vor der Tür. Oft klappt es mit einem Gespräch oder einem Rundgang“, sagt er. Es sei ihm wichtig, sich einen Überblick über die Unternehmen der Stadt zu verschaffen. Bei seinen Besuchen habe er Überraschungen erlebt: Die Größe der Firma Hepla-Kunststofftechnik sei beachtlich und die Exportqoute von Löwer-Maschinen in Caßdorf beeindruckend.

Ritz will nicht nur wissen, wie es den Firmen geht, er will auch erfahren, wie die Unternehmer zum Standort Homberg stehen. Die Stadt habe attraktive Standortfaktoren. Die zentrale Lage sei zum Beispiel längst nicht nur für Logistiker ein wichtiges Argument. Allerdings habe er erfahren, dass es auch in Homberg an Fachkräften mangele und die kostspieligere Kinderbetreuung am Nachmittag bei Berufstätigen in der Kritik stehe.

Immer wieder Internet

Klar war dem Bürgermeisterkandidaten schon vor seinem Besuch in der Firma Kufferath und Prüssing im Gewerbegebiet, dass er eine Sache ganz sicher zu hören bekommt: „Die Breitbandversorgung ist nicht ausreichend.“ So war es dann auch: Geschäftsführer Dirk Kufferath bemängelt genau das. Das Holz-Unternehmen vertreibt längst auch Produkte im Internet. 20 Prozent des Verkaufs mache der Internethandel bereits aus. Tendenz steigend.

„Unsere Kunden kaufen zum Beispiel Türen über unsere Internetseite. Um die Datenleitung nicht zu verstopfen, laden wir unsere neuen Produkte nachts hoch“, sagt Dirk Kufferath. „Das Internet ist für Firmen und Privatleute das Thema. Das darf nicht in Schneckengeschwindigkeit laufen“, so Ritz.

Selbst wenn das mit dem Wahlsieg nicht klappe, er habe auf jeden Fall Erkenntnisse gewonnen, sagt er dann und lächelt. Er sei aber zuversichtlich. „Sonst wäre ich nicht angetreten“, sagt der Rechtsanwalt.

Ritz weiß, dass das Unternehmen vor über 100 Jahren als Sägewerk gegründet wurde. Anfang der 90er Jahre siedelte die Firma ins Gewerbegebiet um. Aus 3000 Quadratmetern Firmengelände wurden 30 000 Quadratmeter. Drei große Hallen und ein Bürogebäude stehen darauf. 21 Mitarbeiter zählt die Firma.

„Damals waren wir eine der ersten Firmen hier“, erinnert sich Kufferath. Längst gibt es viele Nachbarn. Für Homberg sei die Perspektive nicht nur die Logistik, sagt Ritz. „Dienstleister und Handwerksbetriebe sind wie das Salz in der Suppe“, so Kufferath. „Wir haben eine besondere Treue zum Mitarbeiter“, fügt er an.

Aktivere Stadt gewünscht

Ritz erkundigt sich auch nach den Auszubildenden und deren Perspektiven. Er will wissen, ob das Unternehmen auch osteuropäische Mitarbeiter hat. Gerade der polnische Markt könne sich zu einem Zukunftsmarkt entwickeln. In Homberg lebten viele Muttersprachler. Während die Männer über das Firmengelände gehen, erklärt Kufferath den Betriebsablauf und Ritz fallen immer neue Fragen ein.

Er will wissen, wie die Zusammenarbeit mit der Stadt läuft. „Von beiden Seiten ruhig“, sagt Kufferath. Es wäre empfehlenswert, dass die Stadt aktiver wird. Einen Unternehmerstammtisch würde er sich wünschen. Dort könne man Anregungen sammeln. Der Austausch sei wichtig, damit Homberg als Standort attraktiver wird, sagt Ritz.

Ob das Unternehmen erneut in Homberg ansiedeln würde? „Auf jeden Fall“, antwortet Dirk Kufferath. „Wir sind hier verwurzelt, es ist schön hier, nicht alles schlecht. Aber wir brauchen die Straße und schnelleres Internet.“

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

Kommentare