Drei Monate Prozess und noch keine Ende

Brandserie an der Weißenthalsmühle: Wahrheit liegt im Dunkeln

Flammenmeer: Im Dezember 2010 brannte ein kleines Wohnhaus an der Weißenthalsmühle nieder. Archivfoto: nh

Kassel. „Was die Wahrheit ist, werden wir vielleicht mal rauskriegen – vielleicht auch nicht.“ Als der Vorsitzende Richter dies sagte, lief der Prozess um die Brandserie Weißenthalsmühle noch nicht lange – er fiel in der Befragung des Angeklagten Jürgen K. (55).

Was wahr ist an dessen Geständnis, ist eine zentrale Frage des Prozesses. Denn auf dieses Geständnis stützen sich große Teile der Vorwürfe gegen das ebenfalls angeklagte Mühlenbesitzer-Paar Volker G. (48) und Corinna S. (49). Mit K. sind sie des gemeinschaftlich begangenen Betruges im besonders schweren Fall angeklagt. Weitere Vorwürfe betreffen schwere Brandstiftung, beziehungsweise Anstiftung und Beihilfe dazu.

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Drei Brände auf dem Campingplatz-Anwesen in Niedenstein-Kirchberg stehen im Mittelpunkt des Prozesses: Das Feuer im März 2008, das die Weißenthalsmühle selbst zerstörte – und damit das Ausflugslokal und die Wohnung der Besitzer. Der Brand eines kleinen Wohnhauses auf dem Gelände im Dezember 2010 und der Brand einer Scheune mit angrenzendem Sanitärgebäude im Januar 2011.

Jürgen K. hat gestanden, die Brände 2010 und 2011 gelegt zu haben. Er hat ausgesagt, er habe einen Wohnwagen, einen Mini-Bagger und einen Klein-Lkw von dem Gelände fortgeschafft. All diese Taten will K. aber nicht von sich aus begangen haben, sondern im Auftrag des ebenfalls angeklagten Mühlenbesitzers Volker G. – was der bestreitet.

Bohrende Fragen

Der 55-Jährige behauptet, G. habe ihn bezahlt und seinerseits für die fabrizierten Brand- und Diebstahl-Schäden Geld von seiner Versicherung kassieren wollen. Er will auch wissen, dass G. den ersten Brand selbst gelegt hat. Corinna S. hatte er ursprünglich der Mitwisserschaft beschuldigt.

Würde auch die Kammer die Dinge so sehen, könnte die Versicherung des Mühlenbesitzer-Paares viel Geld sparen. Denn als Auftraggeber oder Urheber der Schäden hätten die Kunden G. und S. keinen Anspruch auf Versicherungsleistungen, die für die Gebäude etliche hunderttausend Euro, für die Fahrzeuge mehrere zehntausend Euro ausmachen.

Die Kammer hat nicht nur erkennbar Zweifel an der Aussagen von K. – sie stellt auch bohrende Fragen zu deren Zustandekommen. Das Protokoll der Vernehmung, in der K. eine so genannte Lebensbeichte abgelegt haben soll, nannte Richter Winter einmal „eigenartig“. Die mit der Kritik konfrontierte Kriminalpolizei Hombergs versichert, K. seien keine Versprechungen für den Fall eines Geständnisses gemacht worden – und man sei auch nicht die Versicherungsfälle mit G. durchgegangen.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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