Vorläufer der heutigen THS

Wahrzeichen für Bildung: Vor 135 Jahren wurde in Homberg das Lehrerseminar eröffnet

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Ausbildungsort für angehende Lehrer: Das Homberger Lehrerseminar war Vorläufer der Theodor-Heuss-Schule.

Homberg. Die Homberger Theodor-Heuss-Schule war und ist für Homberg schon immer von herausragender Bedeutung. Das begann zu Beginn der Schulgeschichte auch architektonisch.

Am 24. Januar 1879, also vor 135 Jahren, wurde der Altbau der heutigen Bundespräsident-Theodor-Heuss-Schule seiner Bestimmung übergeben – als Lehrerseminar. Und Homberg bekam 1879 mit dem Gebäude eines der ganz besonderen Art. Einst überragte es neben der Stadtkirche die Silhouette der Stadt. Das Bildungszentrum galt als ein Wahrzeichen.

Durchschnittlich einhundert Seminaristen beziehungsweise Präparanden verließen nach jeweils drei Jahren Ausbildung in Homberg das Seminar. Viele von ihnen lebten in Privatpensionen in der Stadt. Rasch verzahnte sich so die „Welt des Seminars“ mit der der Stadt und ihrer Bevölkerung.

Unmittelbare Kontakte waren die Folge. Geistig, kulturell und zum Teil auch wirtschaftlich prägt das Lehrerseminar die Stadt.

Begonnen hatte die Geschichte der Lehrerausbildung in Homberg bereits 1835. Im Oktober dieses Jahres zog das Kurfürstliche Schullehrer-Seminar von Kassel nach Homberg um. Hintergrund: Bei 1200 Lehrerstellen in Hessen ging der kurhessische Landtag davon aus, dass jährlich ein Bedarf an 30 Lehrern entstehen würde. Die neuen Lehrer sollten an zwei evangelischen Lehrerseminaren ausgebildet werden.

Der Standort Homberg sollte Niederhessen repräsentieren und etwa 20 Lehrer pro Jahr ausbilden. Folglich kamen 1835 60 Lehramtskandidaten in die Kreisstadt.

60.000 Taler für Neubau

Doch rasch wurde das alte Gebäude mit seinen Nebengebäuden zu klein. Sechs Jahre später war es dann soweit, dem Provinzial-Kollegium wurden vom zuständigen Ministerium 60.000 Taler zum Bau eines neuen Seminars zur Verfügung gestellt. Von 1876 bis 1878 wurde dann in Homberg gebaut.

Vor allem musikalische Vorführungen sorgten immer wider dafür, dass aus Veranstaltungen im Seminar ein öffentliches Großereignis für die Kreisstadt wurde. Mitunter ging der Seminarchor sogar auf Tour. So ist ein Konzert aus dem Jahr 1872 überliefert, das in Bad Ems stattfand. Dort brachte der Chor auch Kaiser Wilhelm I. ein Ständchen.

Allein äußerlich gibt das Gebäude schon einiges her. Die Länge von 60 Metern und die 22 Meter Tiefe des streng genommen fünfstöckigen Gebäudes zeugen von einer gebauten Machtdemonstration der Preußen, die seit 1866 Kurhessen regierten. Allerdings wusste man in der Mitte des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der absolut tiefgreifenden Veränderungen der Zeit durch die Industrialisierung nicht so recht, wie man bauen sollte. So wundert es nicht, dass man in der Sprache der Architektur an der Vergangenheit anknüpfte.

Mix aus Baustilen

Das alte Portal und die Fenster der Aula erinnern stilistisch an die Gotik, im Bereich des Foyers rückt die Romanik durch die massiven Säulen in den Fokus des Betrachters. Die dortige Deckenkonstruktion bedient sich architektursprachlich der alten Stile. Die Grundstücksnutzung zeugt von großer Funktionalität. Dort, wo sich heute der Neubau befindet, waren die Wirtschaftsräume. Richtung Lehrerparkplatz kam ein Ökonomiegebäude hinzu. Des Weiteren diente der Bereich des heutigen Sportplatzes als Seminar-Garten. Der Direktor-Garten befand sich um den heutigen Pavillon herum, die Ställe für das Kleinvieh waren dort, wo sich heute ungefähr die „Raucherecke“ befindet.

Im Gebäude selbst wurde aber nicht nur gelehrt, sondern auch gelebt. 96 Präparanden konnten im Gebäude internatsmäßig wohnen, in den Außenflügeln waren Wohnungen für die Lehrer und die Leitung des Seminars vorgesehen.

Von Thomas Schattner

Quelle: HNA

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