Im Revier in Melsungen gibt es Walnuss- und Elsbeeren-Keimlinge

Waldtiere lieben Schnitzel

Starker Baum: Erwin Heckmann, Förster im Revier Melsungen, hat vor 25 Jahren den ersten Walnussbaum im Revier Melsungen entdeckt – es war ein Pflänzchen auf einer Windwurffläche. Jetzt ist der Baum 14 Meter hoch. Foto: Feser

Melsungen. In unserer Serie wollen wir das Forstamt Melsungen mit seinen zwölf Revieren und ihren Besonderheiten vorstellen. Im April geht’s um das Revier Melsungen.

Bei Erwin Heckmann wachsen Pommes im Wald. Und dazwischen Schnitzel. Die Waldtiere fressen im Frühjahr gerne winzige Sämlinge von Eichen, Lärchen, Bergahorn und Elsbeeren. Und weil die im Melsunger Revier selten sind, nennt Förster Erwin Heckmann sie Schnitzel. Die tausenden Buchen- und Fichten-Pflänzchen, die über Naturverjüngung entstanden sind, gelten als Pommes für die Wildtiere.

Ganz selten sind die Walnuss-Schnitzel, denn wilder Walnuss wächst eigentlich nur im mediterranen Raum. Förster Heckmanns Lieblings-Walnussbaum steht in der Gemarkung Hirschkammer im Stadtwald Melsungen. Vor 25 Jahren war er das erste Walnuss-Pflänzchen, das Heckmann im Revier entdeckte. Nachdem Orkan Wiebke mehrere Hektar Fichten in der Gemarkung plattgemacht hatte, inspizierte der Förster die Windwurffläche und entdeckte ein winziges Walnuss-Stängelchen, nicht größer als 15 Zentimeter. „Der schafft das nie“, dachte Heckmann damals, weil er wusste, dass das Gelände von großen Maschinen aufgearbeitet werden musste.

Ein halbes Jahr später war das Sturmholz aufgearbeitet - und das Bäumchen stand noch immer. Heute ist dieser Walnussbaum 14 Meter hoch, hat einen Stamm von 25 Zentimetern Durchmesser und trägt Früchte. Dank der Eichhörnchen, die im Herbst Walnüsse vergraben und im Winter nicht wiederfinden, können per Naturverjüngung neue Walnuss-Pflänzchen wachsen. „Dieser Walnussbaum ist für mich ein Überlebender des Orkans“, sagt Förster Heckmann.

Förster steuert das Licht 

Seine eigentlichen Lieblingsbäume sind die Elsbeeren. Auch sie gibt es nur selten in nordhessischen Wäldern. In Heckmanns Revier wachsen die Platz und Sonne liebenden Elsbeeren auf dem Muschelkalkband bei Morschen und in Südrandlagen bei Melsungen. Der Förster steuert das Licht, indem er Buchen mit dichtem Laub fällen lässt, denn dadurch können die Sämlinge in die freien Plätze wachsen und so für Vielfalt im Wald sorgen.

Gut versteckt: Die Sämlinge einer Buche (hinten) und einer Elsbeere, Förster Heckmanns Lieblingsbaum.

Die Naturverjüngung spart auch Geld: Ein drei Jahre alter Douglasien-Sämling kostet ein Euro pro Stück; da können auf einen Hektar schon mal 4000 Euro Sämlingskosten kommen plus Kosten für Transport und Pflanzung. „Die Natur sät umsonst und reichlich“, sagt Förster Heckmann, „und das sichert das Überleben einer Art.“

Manche Naturverjüngung ist jedoch selten, wie eben die der Elsbeere, die nur von Drosseln verbreitet werden kann. Denn Drosseln sind die einzigen Tiere, die die Elsbeerenkerne unverdaut ausscheiden. Umso glücklicher ist Förster Heckmann über die winzigen Keimlinge, die derzeit in Südrandlagen unterm Laub hervorlugen. „Aber sie sind erst über den Berg, wenn sie fünf Jahre alt sind“, sagt Förster Heckmann, „vorher sind sie für die Wildtiere schmackhaft wie junger Salat.“ Oder sie sind eben wie Schnitzel zwischen lauter Pommes.

Revier Melsungen

Waldfläche: 1800 Hektar, davon 700 Hektar Stadtwald, 200 ha Gemeindewald Morschen, 800 ha Staatswald, 100 ha Privatwald (inklusive Interessentenwald Röhrenfurth (10 ha mit 53 Eigentümern)

Revierförster: Erwin Heckmann, seit 25 Jahren. Ihm zur Seite stehen Forstwirtschaftsmeister Jürgen Schneider und Forstwirt Udo Hebeler

Gemarkung: Melsungen Kernstadt, Kirchhof, Röhrenfurth, Adelshausen, Morschen, Heina

Höchste Erhebung: Wildsberg mit 453 Meter

Baumartenverteilung: 42 Prozent Buche, 8 Prozent Eiche, 38 Prozent Fichte, 12 Prozent Kiefer und Lärche

Jahreseinschlag: 10 000 Festmeter

Besonderheiten des Reviers: viele verschiedene Ansprechpartner und Eigentümer, Ars natura mit acht Kilometer, Schulstandort, Walnussbäume

Quelle: HNA

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