Walther Keim hielt launigen Vortrag beim Neujahrsempfang der Stadt Melsungen

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Gastgeber und Ehrengäste: Von links Stadtverordnetenvorsteher Albin Schicker, Karikaturist Rolf Henn, Prof. Dr. Walther Keim und Bürgermeister Dieter Runzheimer

Melsungen. Wie sieht er denn nun aus, der total perfekte Melsunger, den Gastredner Prof. Dr. Walther Keim beim Neujahrsempfang der Stadt Melsungen zu skizzieren versprochen hatte?

Neujahrsempfang der Stadt Melsungen

Er ist weder faul noch fantasielos. Nach 22 Uhr geht er nicht mehr auf die Straße, weil die Versicherung dann für Raub nicht mehr zahlt.

Für den Melsunger Handballer gibt es neue Regeln: Am Tor wird rechts und links vorbei geworfen, machte Keim eine Anspielung auf die MT-Melsungen, die bei dieser Variante nicht mehr das Tor treffen müsse. Weiter ging es mit den kleinen Boshaftigkeiten: Mitarbeiter im Rathaus, so will Keim erfahren haben, bekommen monatlich zwei Stunden frei, um zum Frisör gehen zu können. „Schließlich wachsen die Haare auch in der Arbeitszeit.“

Kurzum, den perfekten Melsunger kennzeichnet ein Sammelsurium an Unzulänglichkeiten, dennoch ist er liebenswert und stets vorwärts strebend, denn „rückwärts laufen ist für den TPM-ler nicht erlaubt“. Die Spitzfindigkeiten des Karikaturen-Papstes, wie Keim oft genannt wird, nahm das Publikum gelassen, ja mit Humor, war doch jedem bewusst: Das ist nicht bierernst gemeint.

Dass es bei den Gästen gut ankam, lag nicht zuletzt auch an den Karikaturen, die Keim auf Großleinwand zeigte. Mal tiefsinnig, mal komisch, doch immer treffend waren Menschen porträtiert, die eben auch in Melsungen leben könnten.

Wie, und vor allem wie schnell, ein Karikaturist seine Opfer zeichnet, hatte zuvor Überraschungsgast Rolf Henn, alias Luff, gezeigt. Flugs waren Kohl, Schröder, Merkel und andere Politikgrößen auf Papier gebracht.

Unterhaltsam war der offizielle Teil des Neujahrsempfangs allemal: Die Bigband der Geschwister-Scholl-Schule spielte unter der Leitung von Elke Jenge drei flotte Stücke.

Bürgermedaille für Bernd Köhler

Bernd Köhler

Seinen Lebensunterhalt verdient Bernd Köhler mit Uhren und Schmuck. Nach Feierabend verwandelt sich der 67-Jährige gerne in Justus Riemenschneider, in den älteren Nordhessen mit Kappe und Weste. Als Motor in Sachen Kabarett - als Ensemblemitglied und später zusätzlich als Solist - erhielt Köhler gestern die Bürgermedaille der Stadt Melsungen.

Die Anfänge seines kabarettistischen Alternativlebens gehen bis 1970 zurück. Zusammen mit Isolde und Dieter Posch und dem Musiker Klaus Wenderoth bildete er einst die Bartenschwätzer. Mit Beginn der 90er-Jahre machte er mit anderen Gleichgesinnten weiter. Spottlichter nannte sich die neue Formation.

Parallel dazu entwickelte Köhler sein Alter Ego, den Justus Riemenschneider. Immer treffend und kritisch, manchmal bissig, durch und durch nordhessisch in Charakter und Sprache. Erlöse aus den Auftritten werden gespendet.

Nachdem Köhler mit seiner Frau Christiane das frühere Gasthaus in Schwarzenberg saniert hatte, befindet sich im Anbau mit Saal seit 1989 das Schwarzenberg-Theater.

Und was meinte Köhler zur Medaille, für die er sich bedankt hatte? „Ein lebenslanger knöllchenfreier Parkplatz wäre mir lieber gewesen.“ Und hatte angesichts der Knöllchen-Affäre die Lacher auf seiner Seite. (bmn)

Quelle: HNA

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