Ehrenamtliche verschönern Scheunenteil am zukünftigen Dorfplatz mit Kratzputz

Wand erzählt Geschichten

Kratzputz: Ernst Groß zeigt das Handwerkszeug für die Fassaden-Gestaltung. Fotos:  Decker

GROSSROPPERHAUSEN. Geschäftiges Treiben ist auf dem zukünftigen Dorfplatz in Großropperhausen seit Anfang der Woche zu beobachten. Die große Scheunenwand, die den Platz links begrenzt, ist eingerüstet, eine Mischmaschine dreht sich kontinuierlich, Männer und Frauen tragen Eimer hin und her.

Die Ehrenamtlichen haben sich die Aufgabe gestellt, fast alle Gefache der Scheunenwand neu mit Kratzputz zu versehen. „Die Idee, einen neuen Dorfplatz zu bauen, entstand vor ein paar Jahren, als hier ein altes Haus abgerissen werden musste“, erzählt Ortsvorsteher Dieter Schaller. „Durch unsere Teilnahme am IKEK-Programm (siehe Stichwort) wird im Frühjahr tatsächlich das Gelände gestaltet.“

Doch zuvor gab es viel zu tun. Die Kinder der Ahorn-Grundschule überlegten, was ein solcher Platz alles bieten müsste, und bauten mit Angie Thiel kleine Modelle, auf denen zusätzlich zu einer Wasserstelle und einer Boulebahn auch Bänke und Mülleimer nicht fehlten. „Die Scheunenwand jedoch sah nicht mehr schön aus“, berichtet Kristina Fiand.

Neue Gefache

Eine Alternative wäre gewesen, sie zuwachsen zu lassen, dann jedoch entschieden sie sich, die alten, kaputten, aber für Großropperhausen typischen Kratzputzgefache abzuschlagen und neue anzubringen. Bei der Motivauswahl überlegten auch wieder die Kinder, was ihnen in ihrem Dorf wichtig ist. So kamen neben der Feuerwehr, dem Schwimmbad und der Schule auch das Backhaus, eine Milchkanne und die Kirche zusammen.

17 Motive

Insgesamt 17 historische und moderne Motive entstanden und entstehen derzeit. „Wir mussten erst einmal experimentieren, um die richtige Mischung aus Sand, Sumpfkalk und Hanf herauszubekommen“, erzählt Ernst Groß, „aber dann gab es bei den ersten Gefachen Probleme mit Rissen. Zum Glück gab uns der über 80-jährige Nachbar Alwin den Tipp, den Putz stärker zu verdichten. Seitdem klappt es.“ Als erfolgreiche Methode hat sich folgende Reihenfolge erwiesen: Der Putz wird auf das Gefach geworfen, mit einem Glätter verteilt, danach mit einem Stempel gestippt, also viele kleine Einbuchtungen erzeugt, und zum Schluss der Rand geglättet und vom Balken getrennt. Das Motiv entsteht durch das Glätten des gestippten Putzes. Fertig ist das Gefach.

„Es muss alles relativ schnell gehen“, sagt Angie Thiel, „da der Putz schnell austrocknet. Gestern mussten wir sogar feuchte Tücher aufhängen, als uns die Sonne auf die Wand schien.“ Ungefähr zehn bis zwölf Freiwillige arbeiten zu unterschiedlichen Zeiten seit Montag an der Scheune. „Toll ist, dass uns zwischendurch Leute aus dem Dorf Essen und Trinken vorbei bringen“, meint Ortsvorsteher Schaller, „und auch das Material konnten wir durch Spenden kaufen.“

Am heutigen Samstag muss alles fertig werden, denn das gesponserte Gerüst soll am Montag abgebaut werden. „Helfer sind noch sehr erwünscht. Alle Balken müssen gesäubert und mit Leinöl gestrichen werden“, betont Kristina Fiand. Pfarrer Swen Kuchenbecker hat bereits versprochen, am heutigen Tag tatkräftig mit anzupacken.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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