Warnung per Handy-App: Landkreis testet ähnliches System wie in München

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Über das Smartphone erhalten Bürger Informationen: Behörden wie der Deutsche Wetterdienst lassen Meldungen einlaufen und ordnen sie verschiedenen Kategorien zu.

Kreis Kassel. Bei dem Amoklauf in München hatten die Behörden die Bürger innerhalb kürzester Zeit per Smartphone über die gefährliche Situation informiert. Ein System, das so ähnlich funktioniert, testet derzeit der Landkreis Kassel.

Er hat sich für eine Anwendung der Lüneburger Marktplatz GmbH entschieden: Biwapp steht für „Bürger-Info und Warn-App“ und könnte schon ab der zweiten Jahreshälfte schnelle Informationsvermittlung ermöglichen.

Derzeit wird das Programm vom Fachbereich Brand- und Katastrophenschutz getestet. Bislang gebe es noch ein Android-Modell, bei dem die App nicht läuft. Ein Test mit dem Smartphonetyp Blackberry stehe noch aus, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn auf Nachfrage. Wo es noch nicht funktioniert, werde vom Anbieter nachgebessert.

Vier Jahre Laufzeit

Aktualisiert um 17.20 Uhr.

Man habe sich verschiedene Anbieter solcher Warnsysteme angesehen und verglichen, so Kühlborn. So setze die vergleichbare Warn-App Nina, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes zum Beispiel eine Satellitenempfangs- und Sendeanlage voraus. „Biwapp kann genauso viel wie andere, ist aber günstiger“, begründet er die Entscheidung. Für eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren koste sie 30 bis 40.000 Euro. Zudem gebe es seit 2014 Unterstützung vom Land: Mit maximal 15 000 Euro Zuschuss könne man einmalig rechnen. „Wir werden uns wohl für vier Jahre vertraglich festlegen und dann jährlich verlängern.“

In Nordhessen ist der Landkreis damit bislang der einzige, der diese App nutzen wird. In der Stadt und im Landkreis Northeim wird das System seit 11. Juni verwendet. Der damit betraute Sachbearbeiter war gestern auf Nachfrage für einen Erfahrungsbericht nicht verfügbar.

„Je mehr Wege es gibt, die Bürger zu informieren, desto besser“, sagt Kühlborn. Als Landkreis wolle man die Kommunen dabei bestmöglich unterstützen. Im Gegensatz zu der von anderen Landkreisen in Nordhessen verwendeten Katwarn-App bietet Biwapp verschiedene Kategorien an. So kann auch über Schul- oder Regiotramausfälle informiert und auf Veranstaltungen hingewiesen werden.

Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und Leitstellen schicken dazu Meldungen für diese Kategorien ab – beim Nutzer der App kommen aber nur die Nachrichten der Kategorien an, die er selbst abonniert hat. Mit einer Ausnahme: Katastrophen. „Die kommen bei jedem an“, sagt Frank Dalock, Geschäftsführer der Marktplatz GmbH. Auf die Frage, ob man mit der Vielzahl an Informationen nicht überfordert und den Warn-Effekt verschenkt, sagt er: „Die Kommunen dürfen ihre Bürger natürlich nicht nerven“. Zudem seien für besonders wichtige Meldungen Push-Mitteilungen als Signal reserviert.

Das sagt die Stadt Kassel: Kein Interesse

Für die Stadt Kassel kommt die Nutzung einer Warn-App „aus einer Vielzahl von Gründen“ nicht infrage. Kosten-/Nutzen-Erwägungen spielten hier eine Rolle: „Nutzer müssten sich aktiv registrieren oder die entsprechende App installieren, um den Dienst nutzen zu können.“ Der Nutzerkreis sei entsprechend begrenzt. Stattdessen würden die städtischen Social Media-Kanäle für Warnungen, Informationen und Verhaltensempfehlungen bei Großschadensfällen in der Stadt Kassel genutzt. Sie ergänzen die klassischen Warnsysteme wie Sirenen und Rundfunkmeldungen. Wenn es die Situation erfordert, werde zusätzlich die Internetseite www.notfall.kassel.de freigeschaltet, die über die aktuelle Lage informiert.

Hintergründe zur App

Entwickler der Biwapp (Bürger-Info und Warn-App) ist die Marktplatz GmbH. Die App ist seit 2015 auf dem Markt, hat bislang ein Dutzend Kunden und wurde laut Anbieter 20.000 mal installiert. Katastrophenschutzbehörden, Kommunen und kreisfreie Städte sowie deren Leitstellen können Bürger damit direkt über das Smartphone erreichen. Meldungen werden Kategorien zugeordnet wie Feuer, Schulausfall, Verkehrsunfall, Großschadenslage, Warnung, Hochwasser, Bombenfund oder Information. Nutzer können ihrerseits aus Kategorien und Orten wählen. Zusätzlich erkennt das System, wo man sich gerade befindet und schickt dementsprechende Informationen per Push-Mitteilung oder SMS. Über eine Notruf-Funktion können Nutzer blitzschnell ihren Standort an Feuerwehr und Polizei durchgeben, um geortet zu werden.

Bürger können die App im App-Store ihres Handys kostenlos herunterladen. Sie funktioniert für IOS, Android, Windows und bei fast allen Blackberrys.

Quelle: HNA

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