An den Bahnhöfen im Kreisteil mussten viele Pendler Verspätungen in Kauf nehmen

Warterei in der Kälte

Für sie endete die Zugfahrt in Melsungen: Andreas Kaiser aus Bebra und eine 18-jährige Schülerin aus dem thüringischen Heyerode, die beide eigentlich nach Kassel wollten. Foto: Schorn

Melsungen/Wabern. Nichts ging mehr am Dienstagmorgen im Berufsverkehr auf der Schiene: Wegen des Warnstreiks der Bahngewerkschaften mussten auf den Bahnhöfen im Kreisteil hunderte Menschen in der Kälte ausharren und auf ihre Züge warten. Zu Behinderungen kam es sowohl im Raum Gensungen / Wabern als auch auf der Fuldatal-Bahnstrecke.

Am Melsunger Bahnhof warteten gegen 9 Uhr noch etwa 30 Menschen auf ihren Zug in Richtung Kassel. Für die aus Süden kommenden Cantus-Regionalzüge war in Melsungen einstweilen Schluss. Die Züge hatten erhebliche Verspätungen oder fielen komplett aus. Und auch ein vom NVV organisierter Ersatzverkehr mit Bussen schien nicht reibungslos zu funktionieren. Nach Aussage von Pendlern fuhren zwar zwei Busse zwischen Melsungen und Kassel hin und her, doch diese waren hoffnungslos überfüllt, so dass vielen Bahnkunden nichts anderes übrig blieb, als auf dem Melsunger Bahnhof zu warten. „Der angekündigte Schienenersatzverkehr hat sich als Luftblase erwiesen“, ärgerte sich Lothar Bauer aus Bebra.

Spontaner Urlaubstag

Ähnlich erging es Andreas Kaiser. Um 6.27 Uhr war der 22-Jährige in Bebra in die Cantus-Bahn gestiegen, um zu seiner Arbeitsstelle in Kassel zu gelangen. Nach 25 Minuten endete die Fahrt jedoch in Melsungen. „Der Lokführer hat uns informiert, dass gestreikt wird“, sagte Kaiser. Ab 7 Uhr wartete er mit anderen Fahrgästen auf die Weiterfahrt. Schließlich nahm er bei seinem Chef kurzfristig einen Tag Urlaub. „Ich hätte zu viele Minus-Stunden aufgebaut, die ich an anderen Tagen hätte abarbeiten müssen“, begründete er sein Vorgehen.

Am Bahnhof Guxhagen war es beispielsweise Alexander Blaschke (18) aus Rotenburg, der nicht zu seiner Ausbildungsstelle in Kassel kam. Er finde den Streik schon gerechtfertigt, sagte er. „Aber es betrifft auch viele, die nichts damit zu tun haben. Das ist immer ärgerlich.“

Auch der Guxhagener Nicolo Martin äußerte Verständnis für die streikenden Bahner: „Es wurde ja frühzeitig bekannt gegeben, und man konnte sich darauf einstellen.“ Vor seinem Arbeitsweg nach Kassel hatte der 35-Jährige erst noch einen Arzttermin: „Deshalb warte ich zum Glück noch nicht so lange.“

Martin Kramm (19) musste nach Melsungen und wartete bereits zwei Stunden auf einen Zug: „Ich finde es nicht gerecht, dass Leute am Bahnsteig warten müssen, weil die Bahner streiken.“

Ab 8.44 Uhr ging’s weiter

Am Bahnhof Melsungen ging es dann um 8.44 Uhr endlich wieder weiter. Die erste Cantus-Bahn nahm die Reisenden auf. Um 9.07 Uhr fuhr dann auch wieder eine Regiotram in Richtung Kassel. Viele Berufspendler und Schüler kamen zu spät zur Arbeit oder zum Unterricht. (mso/zsl)

Quelle: HNA

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