Weder Telefon noch Internet: Frielendorfer wartet seit Monaten auf Wechsel zu 1&1 

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Ein banger Blick: Karl Heinz Bierwirth aus Frielendorf hat seit über drei Monaten Ärger, weil sein Wechsel von der Telekom zu 1&1 einfach nicht klappt. 

Frielendorf. Karl Heinz Bierwirth hat einen Marathon hinter sich. Nicht in Turnschuhen, sondern einen mit Hotlines von zwei Telekommunikationsunternehmen.

Eigentlich hätte sein Vertrag für Festnetz und Internet mit 1&1 am 22. Juni beginnen sollen. „Ich werde noch wahnsinnig“, hadert der 74-Jährige,über dessen Fall wir am 6. August bereits berichtet hatten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Vorgeschichte

Am 17. Dezember 2015 hatte der Rentner den Vertrag mit 1&1 abgeschlossen. Die Aussicht auf 180 Euro Ersparnis allein im ersten Jahr hatte ihn gereizt. Sein Festnetz war dann aber acht Wochen lang nicht freigeschaltet. Laut der Verbraucherzentrale darf der Anschluss bei einem Wechsel allerdings nicht länger als einen Kalendertag unterbrochen werden.

Das Internet funktionierte mal schlecht, mal gar nicht. Vier Termine mit Technikern der Telekom brachten nichts. Auf mehreren DIN 4-Seiten hat Bierwirth fein säuberlich alles dokumentiert: „Sonst verliere ich den Überblick“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Die Zwischenlösung

Seit dem 18. August ist Bierwirth vorübergehend wieder bei seinem alten Anbieter Telekom. „Leider war es 1&1 ursprünglich nicht möglich, den Anschluss zu schalten. Deshalb wurde eine Weiterversorgung durch uns eingerichtet“, erklärte die Telekom nach nunmehr fünf Terminen auf Anfrage. 69,95 Euro wurden als Anschlussgebühr berechnet, 24 Monate als Laufzeit schriftlich genannt und die volle Gebühr anstatt der vorgeschriebenen 50 Prozent (siehe Hintergrund) berechnet.

Dies sei laut Telekom aus buchhalterischen Gründen ein Versehen und werde zeitnah korrigiert. Immerhin: Von 1&1 darf er weiter kostenlos ein Handy nutzen. Ein Mal wöchentlich bekommt er eine Mail mit der höflichen Bitte um Geduld - mit immer selbem Wortlaut.

Die Vermutung

„Wir haben den Eindruck, dass so mancher Anbieter mit allen Tricks versucht, den Wechsel seiner Kunden zu verhindern“, mutmaßte Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen in der ZDF-Sendung „Frontal 21“. Der Verbraucher habe praktisch keine Chance auf Schadensersatz und sei im Zweifel der Leidtragende.

Zu allem Überfluss fühlt sich der Frielendorfer nicht respektiert. „Neulich hat der Telekom-Mitarbeiter einfach aufgelegt, als ich ihm gesagt habe, dass ich weiter zu 1&1 wechseln möchte und meinte, ich hätte die Kündigungsfrist verstreichen lassen.“ Man habe mehrfach versucht, ihn als Kunden zurück zu gewinnen. Erst am Donnerstag nach 20 Uhr erneut. Auch bei der Bundesnetzagentur fand er kein offenes Ohr. Erst kam am 6. September eine unzureichende Antwort, dann nichts mehr.

Der Ausblick

„Damit wir den Anbieterwechsel durchführen können, muss ein erneuter Termin vereinbart werden. Dafür stehen wir mit der Telekom in Kontakt“, bestätigt 1&1 auf Anfrage, ohne ein Datum zu nennen. Laut 1&1 habe die Telekom den Anschluss des 74-Jährigen abgeschaltet anstatt den Wechsel durchzuführen.

Ein Neuauftrag mit Rufnummerportierung sei bestellt worden. Dieser konnte nicht durchgeführt werden, weil dessen DSL-Anschluss zwischenzeitlich über die Telekom reaktiviert wurde. „Da die Leitung nun wieder von der Telekom genutzt wurde, bekamen wir die Information, dass alle Leitungen belegt sind“, heißt es von dem neuen Anbieter.

Bei seinem Marathon ist Karl Heinz Bierwirth übrigens wieder am Start. Am Donnerstag hat er einen neuen Vertrag mit 1&1 abgeschlossen. In der Hoffnung, dass der nächste Techniker sein Handwerk versteht. Sicher ist: „Danach werde ich nie mehr wechseln. Dann schigged es mir.“

Quelle: HNA

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