In einer neuen Serie stellen wir Straßennamen vor und erklären ihre Herkunft

Wege in die Geschichte

Bunt gemischt: Viele Straßennamen sind auf den ersten Blick selbsterklärend. Doch stand in der Zierenberger Poststraße wirklich eine Post und führt die Herkulesstraße in Dörnberg tatsächlich zum Herkules? Unsere neue Serie soll die Geschichten hinter den Straßenschildern der Region klären. Fotos/Montage: Hoffmann

Wolfhager Land. 46 Kilometer Bundesstraßen, 118 Kilometer Landesstraßen und 83 Kilometer Kreisstraßen. Will man alle klassifizierten Verkehrswege im Wolfhager Land abfahren, zeigt der Zähler satte 247 Kilometer. Außerhalb der Ortschaften sind die Fahrbahnen schlicht mit Nummern versehen, unterschieden durch die jeweiligen Anfangsbuchstaben B, L und K.

Innerhalb der Ortsgrenzen werden die Schilder vor allem bunter. Es gibt sie in blau mit weißer Innschrift, mal alt und verrostet, mit verschnörkelter Schrift. Während die einen in kleinen verträumten Gassen für einen Hauch Nostalgie sorgen, dienen andere mit schlichtem Schwarz auf weißem Untergrund lediglich der Orientierung.

Straßenschilder gehören zum Bild eines jeden Ortes dazu, werden häufig aber gar nicht wahrgenommen, es sei denn, hinter ihnen verbirgt sich eine Geschichte. Davon gibt es in der Region reichlich, denn die Gesamtstraßenliste des Landkreises Kassel zählt allein im Wolfhager Land 1102 Straßen: 356 in Wolfhagen samt Stadtteilen, 179 in Naumburg, 162 in Zierenberg, 159 in Bad Emstal, 126 in Habichtswald und 120 in Breuna.

Jahrhunderte alt

Über kurz oder lang führen Straßensysteme direkt in die Geschichte der jeweiligen Region, gibt es doch Straßennamen, die schon vor mehreren Jahrhunderten vergeben wurden. So befassen sich in und um Wolfhagen allein sechs Straßen mit den Chatten, den Vorfahren der Hessen.

Eine große Anzahl von Bezeichnungen wiederum beruht auf rein geografischen Aspekten. Im Wolfhager Land führen viele Wege zur Kreisstadt, allein sechs „Kasseler Straßen“ gibt es hier, der im hiesigen Streckennetz am häufigsten vorkommende Name. Andere Pfade laufen zum Dörnberg, zum Hohlestein oder einfach in den benachbarten Ort.

Neben den geografischen Bestimmungen gibt es auch andere Entstehungsgeschichten. Sind Wohngebiete sehr schnell entstanden, wie etwa zu Zeiten des Baubooms, zeigten sich Städteplaner häufig bei der Namensgebung besonders kreativ, schmückten ganze Straßenzüge beispielsweise mit Pflanzennamen. Beliebt auch die Benennung nach Persönlichkeiten. Die Brüder-Grimm-Straße darf im Märchenland Nordhessen nicht fehlen, die gleich zweimal in Wolfhagen und Sand zu finden ist.

Die Märchenschreiber aber haben diese Auszeichnung wie viele andere nicht miterleben dürfen, denn laut Gesetz ist die personifizierte Straßenbezeichnung frühestens zwei Jahre nach dem Tod des Betreffenden möglich.

Quelle: HNA

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