Weihnachten mit Alkohol und Verwandten – Eine wirklich explosive Mischung

Von wegen Fest des Friedens

Stress: Während des Weihnachtsfestes vergeht vielen das Lachen. Zu viel Nähe, Alkohol und unangenehme Gespräche führen zu hoher Belastung. Archivfoto: nh

Schwalm-Eder. „Weihnachten ist ein gefährliches Fest“, weiß Gudrun Domes, Psychologin der Beratungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises in Homberg. An Weihnachten werde viel Alkohol getrunken. Aber nicht nur für Suchtkranke kann das Fest zum Problem werden.

Das läge zum einen an der Erwartung, dass Frieden, Harmonie und Liebe während der Feiertage herrschen sollen. Ein zu hoher Anspruch. Zum anderen wollen alle viel Zeit mit ihren Lieben verbringen und möglichst die ganze Verwandtschaft an den Feiertagen treffen, erklärte die Psychologin die Ursachen des Weihnachtsstresses.

Konflikte kochen hoch

Dabei fehlten die Ausweichmöglichkeiten und eine Beschäftigung. An Weihnachten säße man viel zusammen, so dass Streitigkeiten eher auftreten. Unangenehmen Gesprächsthemen und ungeliebten Verwandten könne kaum ausgewichen werden. „Dann kochen die Konflikte hoch.“ In Kombination mit Alkohol sei das ein gefährlicher Mix.

Der entspannende Effekt des Alkohols ist oft der Einstieg in die Sucht. „Am Anfang steht der Genuss“, sagte die Therapeutin. Wird aus dem Feierabendbier eine feste Gewohnheit und drehen sich alle Aktivitäten nur noch um den Alkohol, ist es höchste Zeit die Notbremse zu ziehen. „Die meisten merken nicht, dass der Punkt gekommen ist, an dem man aufhören sollte.“

Bei den jährlich 250 Klienten der Homberger Beratungsstelle nehme der Alkohol als Suchtursache zu, auch Cannabis und Aufputschmittel wie Amphetamine spielen eine Rolle. Jugendliche schlucken Amphetamine, um die Nächte ohne Schlaf durchhalten zu können, Erwachsene zur Leistungssteigerung.

Die Gründe für den Einsatz der Drogen sind unter anderem Stress am Arbeitsplatz und familiäre Schwierigkeiten. Manche hätten in ihrer Kindheit Schlimmes erlebt, was nach jahrelanger Verdrängung plötzlich aufbreche.

Keine wirkliche Entlastung

Alkohol und Drogen verschaffen dann eine vermeintliche Entlastung. Gefährdet seien Menschen, die sehr für sich allein sind, das aber eigentlich nicht wollen. Auch Computerspiele könnten eine Form des sozialen Rückzuges sein. Wer wenig soziale Kontakte habe, dem fehle auch ein Korrektiv: „Dann macht mich keiner aufmerksam, wo es gut oder wo es schief läuft“, erklärte Domes. Bei Jugendlichen sei das wichtigste Motiv für den Drogenkonsum, mithalten zu können und dazu zu gehören.

Um Kinder gegen Drogen zu stärken, bietet die Beratungsstelle das Programm Papilio an, bei dem Kinder lernen, auf andere zuzugehen, auf eigene Gefühle zu achten und auch „Nein“ sagen zu können. „Kinder sollten vielfältig gefördert werden und das Gefühl haben: Ich bin wichtig, ich werde gebraucht“, erklärte die Psychologin. Erwachsenen gibt sie den Tipp, mit sich selbst sorgsam umzugehen, sich nicht an alle Bedingungen anzupassen, sondern auch Grenzen zu setzen und gute soziale Beziehungen aufzubauen. Das hilft auch an den Weihnachtstagen: „Wenn es schon mit der Familie nicht klappt, sollte man wenigstens einen guten Freundeskreis haben, von dem man sich getragen fühlt oder den man auch mit trägt“, meinte Domes.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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