Elke Mittendorf kann nach einem Unfall nicht laufen

Weihnachten fällt aus - es fehlt das Geld fürs Fest

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Nur der schon einige Jahre alte Adventskranz gibt einen Hinweis auf die Weihnachtszeit: Elke Mittendorf aus Allmuthshausen hat sich vor zwölf Jahren bei einem Unfall fast den Fuß abgerissen. Seitdem wird sie ständig operiert. Zurzeit ist sie nicht nur bewegungs-, sondern auch arbeitsunfähig. Der Familie fehlt schlicht das Geld, um das Weihnachtsfest feiern zu können.

Allmuthshausen. Ein einsamer Adventskranz ist die einzige Dekoration. Mehr Hinweise aufs Fest gibt es im Haus der Familie Mittendorf in Allmuthshausen nicht.

Mit seinen Strasssteinchen ist er zeitlos – und schon ein paar Jahre alt. „Wir haben kein Geld, um Weihnachten zu feiern“, sagt Elke Mittendorf. Den Heiligen Abend wird sie mit ihrem Mann Udo und ihrem Sohn bei belegten Broten vor dem Fernseher verbringen. Mehr geht in diesem Jahr einfach nicht, bekennt die 52-Jährige.

Die Schneiderin ist bewegungs- und damit arbeitsunfähig, es ist lange her, dass sie das letzte Mal Geld verdient hat. Sie trägt einen riesigen orthopädischen Plastikschuh, der einen Gipsverband ersetzt. Laufen kann sie nur an Krücken, und auch das nur ein paar Meter.

„Ich bin eine Kämpfernatur: Ich kann einfach nicht von morgens bis abends nur heulen.“

Der Plastikschuh ist sichtbare Konsequenz einer Operation, der sie sich am Nikolaustag unterzogen hat. Eine von vielen. Denn es ist auch lange her, dass Elke Mittendorf das letzte Mal schnellen Schrittes gegangen oder gar gerannt ist: Ihr wurde bei einem Unfall der linke Fuß an der Wurzel fast abgerissen. Keine Sehne, kein Muskel, kein Knochen war mehr mit dem anderen verbunden, er hing nur noch an ein bisschen Haut. Der Tag, der ihr Leben veränderte, war der 5. April 2002.

Elke Mittendorf stand kurz vor der Führerscheinprüfung. Mit 41 hatte sie endlich die Fahrprüfung fürs Auto ablegen wollen und fürs Motorrad gleich mit. Um sich fit zu machen, fuhr sie mit ihrem Mann auf den Verkehrsübungsplatz nach Hertingshausen.

Dort setzte sie sich aufs Zweirad – und verwechselte Gas und Bremse. Die Maschine raste mit ihr durch eine Baumgruppe. Irgendwo im Gebüsch wurde ihr linker Fuß fast vom Bein abgetrennt, das Sprunggelenk zermalmt.

Fuß ist kaum belastbar

Das ist bald zwölf Jahre her. Und noch immer kann Elke Mittendorf nicht richtig laufen. Sechs Operationen hat sie hinter sich, nach jeder sei ihr Schmerz größer, die Belastbarkeit geringer geworden.

Eine verrutschte Prothese, eine verkürzte Achillessehne, eine beginnende Arthrose, ein schief vergipster Fuß – die Liste der Beschwerden ist endlos. Elke Mittendorf hat kiloweise Tabletten geschluckt. Wie viele und wie große Schmerzen sie hatte, kann sie nicht beschreiben. Dafür gibt es keine Maßeinheit.

2011 kamen noch extrem schlechte Blutwerte hinzu. Die Diagnose: Gebärmutterhalskrebs. An ihrem 50. Geburtstag wurde sie operiert. Der Krebs scheint geheilt. Der Fuß ist es noch lange nicht.

Quelle: HNA

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