25. Gedenken der Pogromnacht in Frielendorf

Weiße Steine der Erinnerung

Gegen das Vergessen: Konfirmanden, hier Jonas Pfaff, legten Steine nieder. Fotos: Haaß

Frielendorf. „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider.“ Die Worte des Propheten Joel zogen sich durch die Ansprache von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau: Gemeinsam mit Schülern der Ohetalschule Verna, Konfirmanden des evangelischen Kirchspiels Frielendorf-Spieskappel, dem Posaunenchor und der Gemeinde Frielendorf gestaltete sie am Samstagabend die Andacht anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht vor der ehemaligen Synagoge in der Frielendorfer Hauptstraße.

Vor 75 Jahren schändeten die Nationalsozialisten auch in Frielendorf in der Pogromnacht die jüdische Synagoge. Erstmalig 1988 gedachten die politische und die kirchliche Gemeinde gemeinsam der schlimmen Ereignisse rund um den 9. November 1938.

„Bevor mein Vater Jude wurde, war er Feuerwehrmann“, zitierte Bürgermeister Birger Fey den nach Amerika emigrierten Juden Joe Plaut und stellte damit auch für die zahlreichen Jugendlichen vor der ehemaligen Synagoge ganz plastisch und greifbar die gravierenden Veränderungen im gesellschaftlichen Zusammenleben in der Ohetalgemeinde vor 75 Jahren da.

Schreckliches Ende

Von angesehenen und geschätzten Mitbürgern aus dem Zentrum des Frielendorfer Gemeinwesens zu Verfolgten und Unterdrückten: Vom 30. Januar 1933, dem Tag der Machtergreifung Hitlers, bis zum 9. November 1938 sei es nur ein kurzer Weg gewesen, der sein schreckliches Ende in den Konzentrationslagern fand. „Einen Schlussstrich ziehen mit der Vergangenheit, das ist nicht erlaubt“, erklärte der Bürgermeister und verwies dabei mahnend auf den latenten Antisemitismus – auch in der Mitte unserer heutigen Gesellschaft.

Zweiundzwanzig Frielendorfer wurden Opfer des Holocaust in den Vernichtungslagern. Pfarrer Marco Firngis nannte deren Namen und die Konfirmanden legten symbolisch für jedes der Opfer einen Stein vor der Synagoge nieder.

Von Matthias Haaß

Quelle: HNA

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