Totenkirche: Förderkreis übergibt nach Auflösung Vermögen an Kirchengemeinde

Treysa. Was wäre Treysa ohne die Totenkirche? Diese Frage stellten sich 1993 mehr als 400 Menschen in einer Umfrage der Schwälmer Allgemeinen. Die Antwort war eindeutig: Die große Mehrheit sprach sich für die Sanierung und Erhaltung des Denkmals aus.

Um vor allem auch ein politisches Signal zum Erhaltungswillen zu setzen, gründete sich im selben Jahr der Förderkreis. 2008 sahen die Mitglieder ihre Aufgabe als erfüllt an und lösten den Verein auf. In Kürze wird er aus dem Vereinsregister gelöscht.

Der langjährige Vorsitzende Dr. Gerold Kreuter bewertet das mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Einmal muss ein Schlusstrich gezogen werden. Das Schöne ist, dass sich unsere Idee nie tot läuft - an der St. Martins-Kirche wird es immer etwas zu tun geben.“ Deshalb haben sich die Mitglieder entschlossen, das Vereinsvermögen in Höhe von 13 000 Euro zweckgebunden an die evangelische Kirchengemeinde Franz-von-Roques zu übergeben. Gemeinsam mit der Stadt wird die Kirche für den Erhalt der denkmalgeschützten Ruine zuständig sein.

Rückblick: 1993 musste man die Totenkirche wegen herabstürzenden Sandsteinen komplett sperren lassen. „Es war, wie man es in der Literatur sagt, ein tragischer Konflikt“, beschreibt Pfarrer Dieter Schindelmann die Situation. „Klar war, wir kommen aus der Nummer nicht raus - das Gemäuer wäre verfallen.“ Stadtrat Georg Käufler erinnert sich, dass es sogar Diskussionen bezüglich eines Parkdecks auf dem Gelände der Kirche gegeben habe.

Die Schätzungen für eine Sanierung bewegten sich zwischen 2,4 und vier Millionen Euro. „All das war nur möglich, weil sich viele Menschen für ihre Kirche ins Zeug gelegt haben. Es gingen Spenden in Höhe von 300 000 Euro ein“, sagt Kreuter. Gekostet hat die Sanierung letztlich 2,3 Millionen Euro. Kirche, Stadt und Land beteiligten sich an den Kosten. Das Geld für Voruntersuchungen kam vom Kreis. Die höchste Einzelspende von einer Privatperson beziffert Kreuter auf 50.000 Euro.

Der Erhalt der Totenkirche kostet etwa 4000 Euro im Jahr. Die Summe beinhaltet kleinere Ausbesserungsarbeiten, die etwa durch herunter rinnende Feuchtigkeit entsteht. Zuletzt bereitete eine der drei Glocken Kopfzerbrechen. Die wurde im Zuge der Sanierung an einer Stelle geschweißt. „Das war wie bei einer Plombe im Zahn: Das Stück fiel einfach komplett wieder heraus“, erklärt Schindelmann. So wie es aussehe, handele es sich um einen Garantiefall. „Wenn wir die Ruine immer in Schuss halten, wird sie uns noch lange erhalten bleiben“, ist sich der Pfarrer sicher. (zsr

Quelle: HNA

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