Tödlicher Tauchunfall auf Fehmarn: Bewährungsstrafen für Tauchlehrer

Oldenburg/Melsungen. Aus dem Ferientraum wurde für zwei Familien aus Guxhagen und Marburg ein Alptraum. Ihre Kinder ertranken bei einem Tauchkurs auf Fehmarn. Ein Gericht befand jetzt: Schlamperei und grobe Fahrlässigkeit waren die Ursache.

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„Es tut mir leid.“ Auf diesen Satz des Angeklagten hatten die Eltern der beim Tauchen vor Fehmarn ertrunkenen Kinder gewartet. In seinem Schlusswort vor dem Jugendschöffengericht Oldenburg entschuldigte sich der 46 Jahre alte Besitzer der Tauchschule „Calypso“ für den Tod der Kinder aus Hessen. Das Gericht verurteilte den 46-Jährigen am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Sein mitangeklagter Sohn erhielt eine Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der 46-Jährige im Juli 2010 seinen damals 20 Jahre alten Sohn trotz fehlender Qualifikation mit der Leitung eines Schnuppertauchkurses in der Ostsee beauftragt. Dabei waren ein zehnjähriger Junge aus Guxhagen und ein 16-jähriges Mädchen aus Marburg ertrunken.

Die Eltern der getöteten Kinder reagierten gefasst auf das Urteil. Beim Plädoyer der Staatsanwältin, die noch einmal die dramatischen Geschehnisse des Unfalltages schilderte, hatte die Mutter des Zehnjährigen noch mit den Tränen gekämpft. Die Mutter der 16-Jährigen saß zitternd neben ihrer Anwältin.

Der Schnuppertauchkurs am 16. Juli 2010 hatte für die Kinder der Höhepunkt der Ferien auf dem Campingplatz Wulfener Hals auf der Ostseeinsel Fehmarn werden sollen. „Doch aus dem Traum wurde ein Alptraum“, sagte Rechtsanwältin Kerstin Raber, die die Mutter der ertrunkenen 16-Jährigen vertrat. Weil die Tauchgruppe mit sieben Teilnehmern - darunter fünf Kinder zwischen zehn und 16 Jahren ohne jede Taucherfahrung - viel zu groß war, bemerkte der Tauchlehrer zu spät, dass die beiden Kinder im trüben Wasser den Kontakt zur Gruppe verloren hatten. Beide wurden nach einiger Zeit von Helfern geborgen. Der Junge starb einen Tag später, das Mädchen nach elf Tagen.

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Die Angeklagten hätten gleich gegen eine ganze Reihe von Ausbildungs- und Sicherheitsstandards des Tauchlehrerverbandes „Padi“ verstoßen, sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. So fehlte dem Kursleiter die formelle Qualifikation für Tauchkurse im Freiwasser, die Sicht war schlecht. Ein Zeuge hatte ausgesagt, er habe unter Wasser gerade noch seinen Nebenmann erkennen können. „Unter diesen Bedingungen hätte gemäß den Richtlinien das Verhältnis von Schülern zu Lehrer höchstens zwei zu eins betragen dürfen. Beide Angeklagte kannten diese Sicherheitsregel und haben sich darüber hinweggesetzt“, sagte der Richter.

Die Rolle der nach Aussage eines Sachverständigen „miserablen Qualität“ der Tauchausrüstung und eine mögliche „Überbleiung“ der Kinder bei ihrem Tauchgang habe dagegen nicht geklärt werden können. „Beides hat aber mit Sicherheit nicht ihren Tod verursacht“, sagte er.

Mit dem Urteil folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Nebenklagevertreter und Verteidiger hatten keine konkreten Anträge zum Strafmaß gestellt. (dpa)

Quelle: HNA

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