Reihe der Frielendorfer Bibeltage: Museumsleiter Konrad Nachtwey referierte zur Apokalyptik in der Kunst

Weltuntergang aus künstlerischer Sicht

Zu Gast: Pfarrer Richard Heymann-von der Lühe, Dekan Christian Wachter und Pfarrer Dierk Glitzenhirn mit Konrad Nachtwey (von links). Foto: Rose 

Frielendorf. Bei den Frielendorfer Bibeltagen referierte am Mittwoch Kunsthistoriker Konrad Nachtwey zum Thema Apokalyptik in der Kunst. Apokalypse bedeute im Wortsinne Offenbarung, aber auch Entschlüsselung, erläuterte Dekan Christian Wachter. Organisiert wird die Reihe vom Evangelischen Forum Schwalm-Eder, der Evangelischen Kirchengemeinde Frielendorf, dem Kirchenkreis Ziegenhain, dem Referat Erwachsenenbildung und der Bibelgesellschaft von Kurhessen-Waldeck.

Etwa seit dem vierten Jahrhundert – mit dem Sieg des Christentums – tauchen Motive der Apokalypse in der Kunst auf. Besonders bekannt wurde etwa der Genter Altar (etwa1432) von Jan van Eyck, erklärte Nachtwey. Zur Darstellung des Jüngsten Gerichts gehöre traditionell eine Gruppe aus drei Gestalten, die man in der byzantinischen Kunst eine Deesis nenne. „Es war eine religionsgeschichtliche Sensation, Gott wurde zum ersten Mal sichtbar“, verdeutlichte der Referent. „Als Kind, als Bub, als Klugscheißer, als ganzer Kerl.“ Die Kunst des Mittelalters sei von einer vorherrschenden Endzeitstimmung geprägt gewesen.

Albrecht Dürer etwa gab 1498 seine Apokalypse mit 15 Großfolioblättern mit dem Bibeltext auf der Rückseite heraus. Die Gesamtschau bescherte ihm besonders in Italien große Popularität. Doch Dürers Bruch mit der Tradition sei später nur teilweise aufgegriffen worden. Lucas Cranachs 21 Holzschnitte zur Offenbarung (1522) setzten die visionäre Autonomie Dürers nicht fort, sondern kehrten zurück zur Illustration.

Cranachs Bilder symbolisierten nicht eine Untergangszeit, sondern seien – dem Geist der Reformation folgend – reine Textillustrationen im Dienste der Bibelauslegung. „Dürer und Cranach schafften jedoch eine deutliche Trennung zwischen irdischem und himmlischem Bereich“, verdeutlichte Nachtwey. Im Lauf der Zeit nahmen Schreckensmotive der Strafen Gottes und der Kampf des Teufels gegen Gott und seine Kirche wieder zu. Die apokalyptischen Reiter, das Apokalyptische Weib und die Hure Babylon seien immer zum Bildthema geworden. In der Zeit der Gegenreformation, im Barock und der Renaissance, sei die Apokalyptik zurück getreten.

Von Tradition befreit

Im 19. Jahrhundert fanden sich in der Kunst zur Apokalypse kaum neue Impulse. Vielmehr habe sich die Auseinandersetzung im 20. Jahrhundert aus den Abhängigkeiten von Tradition und Kirche befreit. Der Maler Otto Dix beschäftige sich in seinem Werk „Flandern“ mit dem Ersten Weltkrieg. Die Botschaft sei: „Kehret um, das ist das Ende – Krieg kann nichts bewirken.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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