Naturkraft-Region informierte über Status quo bei Erneuerbaren Energien

Volle Naturkraft voraus: In der Region erreichen die Erneuerbaren Energien neun Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Unsere Fotos zeigen ein Windrad am Knüllköpfchen, die Biogasanlage in Homberg und die Solaranlage bei Melsungen. Fotos: Archiv

Schwalm-Eder. Die Energiewende ist möglich. So lautete die Botschaft der gestrigen Vortragsveranstaltung des Vereins Naturkraft-Region in der Schwarzenborner Kulturhalle. Schließlich machten es einige Kommunen bereits vor.

Gilserberg etwa produziere durch Windkraft genauso viel Strom wie dessen Einwohner verbrauchen, erläuterte Dr. Brigitte Buhse, Geschäftsführerin der Naturkraft-Region. Solche grünen Vorreiter waren aber nur eines der Themen der Veranstaltung.

In der Naturkraft-Region haben sich im August 2009 die Landkreise Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg zusammengeschlossen, um vor allem den Einsatz von Biomasse zu fördern, aber auch die regenerativen Energien insgesamt voranzubringen und Netzwerke auf diesem Gebiet zu knüpfen.

Stand des Ausbaus

Knapp 100 Zuhörer, darunter Bürgermeister, Verbandsvertreter und Mitglieder des Vereins Naturkraft-Agentur, waren nach Schwarzenborn gekommen, um sich über den Stand des Ausbaus von Biogasanlagen, Photovoltaik und Windrädern in den Landkreisen zu informieren.

Eine Vollversorgung durch Erneuerbare Energien ist in ländlichen Regionen möglich, lautete eine der Prognosen. Weil Energieträger wie Holz nicht unbegrenzt seien, müsse für das Erreichen solcher Ziele aber vor allem der Verbrauch reduziert werden, sagte Dr. Buhse. In einem zweiten Schritt könne darüber nachgedacht werden, Energie in Ballungsräume zu exportieren.

„Wenn unsere Biogasanlage richtig läuft, erzeugen wir in Schwarzenborn 130 Prozent unseres Gesamtstromverbrauchs. Den Überschuss können wir verkaufen“, sagte Schwarzenborns Bürgermeister, der gleichzeitig Vorsitzender der Naturkraft-Agentur ist.

Neun Prozent erreicht

In den Experten-Vorträgen wurde deutlich, dass es zwischen den Kommunen noch große Unterschiede gibt, was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht. Nimmt man die in den Landkreisen regenerativ erzeugten Energiearten Strom, Wärme und Kraftstoff zusammen, erreichten sie im Jahr 2008 neun Prozent am Gesamtenergieverbrauch. „Aktuell dürfte der Anteil bereits im Bundesdurchschnitt von zehn Prozent liegen. Aktuelle Zahlen gibt es auf Kreisebene leider nicht“, sagte Dr. Buhse. Etwas besser sieht es aus, wenn man allein den etwa durch Wind, Biogas und Sonne gewonnenen Strom betrachtet. Elf Prozent des Stroms gewinnt der Schwalm-Eder-Kreis aus erneuerbaren Energien.

Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke sagte in seinem Grußwort, dass es wichtig sei, die Menschen bei der Energiewende mitzunehmen. Zudem müsse sie auch für Hartz IV-Empfänger bezahlbar sein. Noch immer gebe es Vorbehalte gegen Windräder und Biogasanlagen, wenn sie vor der eigenen Haustür entstehen sollen. „Das hat mit Unwissenheit und Vorurteilen zu tun.“

Auch zur Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshof zum Regionalplan Nordhessen äußerte sich Lübcke. In punkto Windkraftstandorte hatten die Richter den Plan als unwirksam erklärt. Dass die Regionalversammlung nun neu über die Standorte entscheiden müsse, sei ein „für den einen oder andern schmerzlich, aber für eine Energiewende unerlässlich“.

Von Bastian Ludwig

Quelle: HNA

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