In den nächsten Tagen tritt die Neuregelung in Kraft – Händler bekommen schon Lieferschwierigkeiten

Wenig Durchblick bei Winterreifenpflicht

Winterreifen sind knapp: Stefan Flecke und hinten Joel Engelhardt vom Raiffeisen-Technik-Center in Homberg. Archivfoto: Rohde

Schwalm-Eder. Der erste Schneefall am Montag hat die Autofahrer im Schwalm-Eder-Kreis an die kommende Winterreifenpflicht erinnert. Das Gesetz zur Neuordnung der Straßenverkehrsordnung wurde verabschiedet und tritt in den nächsten Tagen in Kraft.

Künftig wird bei Eis und Schnee von der Polizei überprüft, ob Autofahrer Winterreifen mit der Kennzeichnung „Matsch und Schnee“ (M+S) aufgezogen haben. Doch zunächst herrschte Verwirrung darüber, ab wann die Neuregelungen gelten. Wir haben bei Polizei, Reifenhändlern und Versicherung nachgefragt, was sich ändert und wo es noch Probleme gibt. Die Reifenhändler:

Mit Einsetzen des ersten Schneefalls haben am Montag noch viele Kunden einen Termin zum Reifenwechseln ausgemacht, dies bestätigten Reifenhändler aus dem Schwalm-Eder-Kreis. „Wer jetzt noch Reifen braucht hat aber keine große Wahl mehr“, sagt Marco Rohde, vom Raiffeisen-Technik-Zentrum Homberg. Durch die Knappheit seien die Reifen auch doppelt so teuer, sagte Heinfried Kniese von der Firma Kniese in Wabern. Er äußerte Bedenken über das neue Winterreifengesetz, da die Beamten bei den Kontrollen nur auf das M+S-Symbol achten sollen. „M+S ist kein geschütztes Symbol, das kann jeder auf seine Reifen drucken“, sagte Kniese. Er hatte schon Kunden, die als Winterreifen ausgezeichnete M+S-Reifen gekauft hatten, die eindeutig Sommerreifen waren. Die Polizei:

 Bei der Polizei herrschte am Montagmorgen noch Verwirrung. Denn das Gesetz zur Winterreifenpflicht ist verabschiedet, aber noch nicht in Kraft. „Wir wussten zunächst nicht, ob die neuen Bußgelder schon gelten“, sagte Hauptkommissar Frank Asthalter. Erst die Nachfrage beim Innenministerium brachte Klarheit. „Die neuen Bußgelder gelten erst, wenn das Gesetz öffentlich bekannt gegeben wurde“, sagte Asthalter. Deshalb seien bisher auch noch keine Winterreifen-Kontrollen geplant. „Bei Verkehrskontrollen achten wir sowieso auf die Bereifung“, sagte er. Auch Asthalter zweifelt, ob es ausreiche sich auf die M+S-Kennzeichnung zu verlassen. Die Versicherungen:

Versicherungen bleiben Reifenunabhängig, auch wenn der Gesetzgeber eine Winterreifenpflicht einführt, dies sagte Katrin Rüter de Escobar, Pressesprecherin der Deutschen Versicherungen (GDV). „Wer im Winter mit Sommerreifen unterwegs ist, sollte sich lieber Sorgen um sein Leben und das der anderen Verkehrsteilnehmer machen, als um seinen Versicherungsschutz“, sagte sie.

Die Haftpflicht zahle in jedem Fall und auch die Kaskoversicherungen springen im Schadensfall ein. „Versicherungen zahlen nur bei grober Fahrlässigkeit nicht“, sagte Rüter de Escobar. Dies sei aber sehr selten, betonte sie: Bei 55 Millionen Kfz-Versicherten seien lediglich ein paar Dutzend der Fälle wegen grober Fahrlässigkeit von den Versicherungsunternehmen nicht übernommen worden. „Da ging es aber mit Sicherheit nicht um Reifen“, sagte Rüter de Escobar.

Von Diana Rissmann

Quelle: HNA

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