Gehaltskürzungen für Mitarbeiter während der Sanierungsarbeiten im Altersheim

Weniger Geld für Pflege

Janina Rak

Wolfhagen. Das Seniorenzentrum Stiftung Altersheim in Wolfhagen soll durch die Sanierung schöner, moderner und damit konkurrenzfähiger werden. Doch bis es soweit ist, gibt es für die 143 Mitarbeiter des zweitgrößten Arbeitgebers in Wolfhagen eine Durststrecke. Sie erhalten laut einer aktuellen Dienstvereinbarung ein um elf Prozent gekürztes Bruttogehalt, nur noch die Hälfte an Urlaubs- und Weihnachtsgeld und arbeiten in einer 37-Stunden-Woche.

„Wir hatten die Wahl: Entweder Gehälter kürzen und Arbeitsplätze sichern oder Mitarbeiter auf die Straße setzen.“

Janina Rak Geschäftsführerin

Während der Umbauphase habe man die Anzahl der Plätze reduzieren müssen, so Heimleiterin Janina Rak. Nun habe man die Wahl gehabt, Gehälter zu kürzen um Arbeitsplätze zu sichern oder 20 Mitarbeiter auf die Straße zu setzen. „Bei letzterem hätten wir keine Dienstvereinbarung gebraucht.“ Sie rechnet damit, dass bei einer Vollbelegung im nächsten Jahr auch die Gehälter wieder angeglichen werden können.

Um konkurrenzfähig zu sein, sei die Sanierung des Seniorenzentrums dringend nötig gewesen, so Rak. Das Diakonische Werk als Träger der Einrichtung spricht vor zwei Jahren in einem internen Papier an die Mitarbeiter gar von einer wirtschaftlichen Notlage der Stiftung aufgrund der Konkurrenzsituation zum privaten Altersheim Phönix, das vor zwei Jahren eröffnet wurde.

Künftig 141 Plätze

In einer gemeinsamen Presseerklärung von den Vorstandsmitgliedern Dekan Dr. Gernot Gerlach und Janina Rak sowie der Mitarbeitervertretung heißt es, dass diese Betriebsvereinbarung im gegenseitigen Einvernehmen getroffen worden sei.

„Von 154 Betten stehen nach der Umbauphase nur noch 141 Plätze zur Verfügung. In der Umbauphase können nur 110 bis 120 Plätze belegt werden.“ Man sei sich einig, dass kein Mitarbeiter in der Umbauphase seinen Arbeitsplatz verlieren dürfe und die Pflegequalität auf hohem Niveau bleibe. So heißt es in der Pressemitteilung.

Laut Janina Rak seien die Löhne trotz der Dienstvereinbarung deutlich höher als in der Branche üblich. Ein Berufseinsteiger erhalte 2200 Euro. „Wir bezahlen vor dem Hintergrund eines Mindestlohns von 7,50 Euro einer examinierten Pflegekraft 15 Euro.“

Ungünstige Pflegesätze

Der Vorstand der Stiftung kritisiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Pflegebereich. Die niedrigen Pflegesätze der Krankenkassen würden die Häuser zum Sparen zwingen. „Wir fordern bessere Rahmenbedingungen für die leistungsgerechte Vergütung der Mitarbeitenden in der Pflege“, so der Vorstand.

Dies betont auch Dr. Harald Clausen, Direktor des Diakonischen Werkes in Kurhessen-Waldeck. „Die ungenügende Refinanzierung erschwert die Arbeit ungemein.“

Von Bea Ricken

Quelle: HNA

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